Meinungen

Der normale Wahnsinn aus D.C.

Das Weisse Haus versinkt mehr und mehr im Chaos. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Martin Lüscher.

«Dem Chaos entkommen wird Trump nicht, denn das ist das prägende Element seiner Präsidentschaft.»

Was für eine Woche! Am Dienstag veröffentlichte die «Washington Post» erste Auszüge aus dem Buch von Bob Woodward über Donald Trumps Präsidentschaft. Darin nennt Stabschef John Kelly den Präsidenten einen «Idioten». Verteidigungsminister James Mattis ignoriert Befehle des Präsidenten. Beide dementierten. Das Weisse Haus bezeichnete das Werk des renommierten Journalisten als «erfundene Geschichten».

Am Donnerstag folgte der nächste Paukenschlag. Ein hochrangiges Mitglied der Regierung schrieb in der «New York Times» anonym von internem Widerstand gegen den Präsidenten, darüber, wie enge Mitarbeiter die Arbeit des demokratisch gewählten Regierungschefs sabotieren. Trump reagierte mit Empörung, schrie Verrat. Kommentatoren sprachen von einem sanften Staatsstreich und von Verfassungskrise.

Gleichzeitig fand im Senat die Anhörung von Brett Kavanaugh statt. Er soll den zurücktretenden Anthony Kennedy im Obersten Gericht ersetzen. Mit der Wahl kann Trump das Gericht ein bisschen weiter nach rechts rücken. Chaotische Szenen prägten den ersten Tag der Anhörung. Auch in Washington waren am Mittwoch Facebook-COO Sheryl Sandberg und Twitter-CEO Jack Dorsey. Sie wollten die Zweifel zerstreuen, ob die sozialen Netzwerke gegen externe Einflussnahme gefeit sind.

Denn es stehen Zwischenwahlen an. Am 6. November werden das Repräsentantenhaus sowie ein Drittel des Senats gewählt. Die Zeichen deuten auf einen Sieg der Demokraten hin. Das verhindern will der Präsident höchstpersönlich. Darum flog er am Donnerstag nach Montana, zur Unterstützung von Matt Rosendale, der den demokratischen Senator Jon Tester herausfordert.

Trump sprach über seinen Wahlsieg 2016, wie er ein hervorragend besetztes Feld von Republikanern hinter sich liess und dann gegen «crooked Hillary» triumphierte. Auf der Bühne ist Trump in seinem Element. Bis zum Wahltermin stehen deshalb noch mehrere Dutzend Veranstaltungen auf dem Programm, mehr als seinerzeit bei seinen Vorgängern Barack Obama und George W. Bush.

Dem Chaos entkommen wird Trump nicht, denn das ist das prägende Element seiner Präsidentschaft: Jede Woche bringt neue haarsträubende Episoden hervor. Das wird auch in Zukunft so sein. Die Sonderermittlung von Robert Mueller läuft noch. Keine drei Wochen ist es her, dass Trumps ehemaliger Wahlkampfberater Paul Manafort wegen Steuerhinterziehung schuldig gesprochen wurde. Gleichentags gab sein ehemaliger Anwalt Michael Cohen zu, im Auftrag von Trump Schweigegeld gezahlt zu haben. Auch dieses Kapitel ist noch offen.

Zudem gibt es noch Fragen, was seine Wirtschaftspolitik betrifft. Wie geht es im Handelsstreit mit China weiter? Kann mit Kanada doch noch eine Lösung gefunden werden? Ist der Deal mit Mexiko in trockenen Tüchern, bevor der linke Populist Andrés Manuel López Obrador die Regierungsgeschäfte übernimmt? Fragen über Fragen und überall Chaos.

Leser-Kommentare