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Als Ort des Vergnügens und der Entspannung war der Pavillon während Jahrhunderten überaus beliebt. Er inspiriert die Architekten auch heute noch.

Der Ausdruck stammt vom lateinischen Wort «papilio» für Schmetterling, eventuell als Bezeichnung der Flügeldächer, die diese provisorischen Konstruktionen manchmal haben. Oder als Anspielung an ihre beschränkte Lebensdauer?

In der klassischen europäischen Architektur steht der Begriff für ein rundum oder zum grössten Teil offenes, oft kreisförmiges Bauwerk, das häufig als Nebengebäude in Verbindung mit einem grösseren Bau steht. Seit dem 19. Jahrhundert werden auch leichte, transparente Konstruktionen als Pavillons bezeichnet.

Es handelt sich dabei häufig um kleinere offene Einrichtungen für den Schutz vor Sonne und Regen. Antoine Robert-Grandpierre, Mitgründer und Partner des Lausanner Architekturbüros Localarchitecture, meint dazu: «Der Pavillon konkretisiert die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt. Er ist ein direkter Abkömmling des Mythos der primitiven Hütte und damit der Ursprünge der Architektur, als die Schutzhütte den wichtigsten Bedürfnissen der Menschen entsprach.»

Heute materialisiert sich das Konzept des Pavillons in so unterschiedlichen Formen, dass es schwierig ist, es auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Der Begriff regt jedoch nach wie vor zum Träumen an. Sie sind leicht, luftig, duften nach Sommer, erinnern an Orte der Heiterkeit, der Entspannung und des Wohlbehagens.

Der Pavillon ist ein Raum der Freiheit, der grösseren Spielraum für Experimente bietet als ein gewöhnlicher Bau und der mitunter zu einzigartigen Leistungen beflügelt, insbesondere im Rahmen von Weltausstellungen. Diese architektonischen Grosstaten erweisen sich nicht selten als neue Visionen und regen zu innovativer Bauweise an.

«Berühmte Beispiele von Pavillons haben die Geschichte der Architektur stark beeinflusst, etwa Le Corbusiers Pavillon de l’Esprit Nouveau von 1924 in Paris oder 1929 der Pavillon von Mies van der Rohe in Barcelona», erklärt Antoine Robert-Grandpierre.

For now or forever

In Zürich war vom 3. Mai – 23. Juli 2017 die Ausstellung «for now or forever – Swiss Pavilions» zu besichtigen, und zwar im Pavillon des Centre Le Corbusier im Seefeld. Das vom Meister entworfene und nach seinem Tod 1967 vollendete Ausstellungshaus wurde als «Gesamtkunstwerk» für seine Gemälde und Skulpturen sowie Arbeiten in den Bereichen Architektur und Möbeldesign konzipiert.

Le Corbusier verzichtete hier auf Beton und verwendete stattdessen Stahl und Glas sowie grosse Platten aus farbigem Email. Ein Blickfang ist auch das gefaltete Dach, das auf dem Bau zu schweben scheint. Die grossen Fenster zum Park lassen das Licht und die Natur in den Raum.

Unter den in der Ausstellung präsentierten Werken stach der Philips-Pavillon mit seinen steilen Spitzen hervor, den Le Corbusier für die Brüsseler Expo 1958 schuf und der von seinem Interesse an unkonventionellen Formen und Materialien zeugt.

Andere Projekte – von Peter Zumthor über Group8, Herzog & de Meuron bis zu Mario Botta – überraschten durch ihre typologische Vielfalt. Der nicht klar definierte Begriff Pavillon kann die unterschiedlichsten Bauwerke umfassen, sogar eine Kirche ist dabei.

Das bereits erwähnte und in der Ausstellung vertretene Lausanner Büro Localarchitecture hat sich mehrmals mit diesem Thema beschäftigt. Antoine Robert-Grandpierre erklärt: «Wir versuchten, den Pavillon auf seinen grundlegenden strukturellen Ausdruck zu reduzieren und auf Ornamente oder andere Dekors zu verzichten. Das hat uns veranlasst, einen Bau zu entwickeln, der im Bezug zur Umgebung, in die er sich einfügt, sinnstiftend wirkt. Die angestrebte Schlichtheit erfordert sehr oft eine gewisse Kühnheit, damit der Pavillon eine starke Räumlichkeit und ikonische Kraft gewinnt.»

Ikonisch wie die Diakonissen-Kapelle von Saint-Loup, deren Hülle aus gefälteltem Holz in Zusammenarbeit mit der ETH Lausanne entwickelt wurde. Das kleine Bauwerk, ursprünglich als Provisorium geplant, wurde dank seinem Erfolg zur Dauerlösung.

Die Serpentine Gallery

Das Paradebeispiel eines Horts der experimentellen Architektur ist zweifellos die Serpentine Gallery in London, die seit 2000 jedes Jahr einen renommierten Architekten einlädt, einen Sommerpavillon für den Park zu entwerfen.

Die vergängliche Struktur beherbergt kulturelle und pädagogische Veranstaltungen der Galerie, Kolloquien, Aufführungen, Konzerte. Einzige Einschränkung: Der Architekt darf bis zum Zeitpunkt der Ausstellung noch nie etwas in England gebaut haben. Auf diese Weise soll ein breites Publikum ohne Modelle, Zeichnungen oder Fotos mit der Architektur vertraut werden.

Die Architektur wird von den Besuchern gefühlt, berührt und erlebt. Im Rahmen dieses in seiner Art einzigartigen Experiments im Massstab 1:1 können die Architekten ihren Intuitionen freien Lauf lassen. 2013 konzipierte der Japaner Sou Fugimoto einen feingliedrigen Bau aus dünnen Metallstäben, die eine Art halbtransparente, im Raum schwebende Wolke bildeten.

Eine geometrische Architekturlandschaft, bei der Natur und Technik in einem räumlichen Kontinuum miteinander verschmelzen. Dieses Jahr liess sich der Architekt Francis Kéré vom Baum inspirieren, der in seinem Heimatdorf in Burkina Faso als Treffpunkt dient. Durch Transposition schuf er einen kreisförmigen Bau, dessen Mittelachse ein Baumkronendach stützte, das die Menschen, die sich hier versammeln, vor Sonne und Regen schützt.

Der Öko-Pavillon

Ermöglicht der Pavillon im Zusammenhang mit dem Klimawandel und angesichts der Herausforderungen der erneuerbaren Energien innovative Lösungen? Ist eine weniger statische, mobilere und kurzlebigere Architektur für die Zukunft denkbar?

Ein im Rotterdamer Hafen vertäuter, schwimmender Solarpavillon, der aus drei geodätischen Kuppeln besteht, gibt mit seinen ultraleichten Materialien und Konstruktionen einen Vorgeschmack auf ein Quartier auf dem Wasser, das die Stadt entwickeln will.

Die Bevölkerung kann dort eine Ausstellung über die Wasserwirtschaft und die erneuerbaren Energien besuchen. Organisiert wurde sie von der Rotterdam Climate Initiative, einer Bewegung, die bis zum Jahr 2025 die CO2-Emissionen auf 50% reduzieren will.

Für den Architekten Antoine Robert-Grandpierre ist klar: «Dank ihrem experimentellen Aspekt können Pavillons zweifellos neue Lösungen für die Zukunft anbieten. Dazu gehören auch neue Wohnformen, neue Bautechniken, die Suche nach neuen Materialien und die Besetzung neuer Territorien.»