Märkte / Emerging Markets

Pleitegeier kreist über den Schwellenländern

In China droht der erste Zahlungsausfall einer Yuan-Anleihe. In Mexiko hoffen die Gläubiger des Öldienstleisters Oceanografia auf den Staat. Kommt eine Welle von Unternehmenspleiten auf die Emerging Markets zu?

Die Nachricht hat die Finanzmärkte in China und Hongkong aufgeschreckt: Der Solarzellenhersteller Shanghai Chaori Solar Energy & Technology verkündete am Dienstag, dass das Unternehmen die am 7. März fälligen Zinsen im Umfang von über rund 90 Mio. Yuan (14,6 Mio. $) nicht bezahlen könne. Wegen verschiedenen Faktoren habe der Solarzellenhersteller bisher erst 4 Mio. $ für die Zinszahlung aufgetrieben, hiess es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Die Börsen in Hongkong und Schanghai büssten am Mittwoch trotz der allgemeinen Erleichterung über die Entspannung in der Ukraine an Terrain ein.

Es wäre der erste Zahlungsausfall einer lokalen Renminbi-Anleihe, seit der Markt der Unternehmensanleihen Ende der 1990er-Jahre dereguliert wurde. Die Anleihe, die Shanghai Chaori vor zwei Jahren begab, ist mit einem Volumen von 1 Mrd. Yuan klein im Verhältnis zum Gesamtmarkt. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) schätzt den chinesischen Markt für Unternehmensanleihen auf umgerechnet 12 Bio. $. Dennoch dürfte die Tatsache, dass auch chinesische Unternehmensanleihen ausfallen können, das Risikobewusstsein der Anleiheninvestoren verändern.

Der drohende Zahlungsausfall folgt kaum ein Monat auf den verhinderten Bankrott eines Trust-Anlageprodukts im Umfang von 500 Mio. $, das per Ende Januar fällig war. Ein solcher Trust ist die chinesische Form einer Privatplatzierung von Unternehmensschulden.

Mexiko übernimmt Öldienstleister Oceanografia

Auch Mexiko, dem viele Investoren wegen der Energiereform eine prosperierende Wirtschaft voraussagen, musste einen herben Schlag hinnehmen. Der Staat hat den zahlungsunfähigen und in einen Kredit-Betrugsfall verwickelten Öldienstleister Oceanografia übernommen. Wie das Drama für die Investoren ausgeht, ist ungewiss. Die nächstes Jahr fällige besicherte Anleihe im Umfang von über 300 Mio. $ von Oceanografia wird noch zu 17% des Nominals gehandelt, nach 90% Anfang Februar. Keine andere Dollaranleihe aus den Schwellenländern hat so schnell so viel Wert verloren.

Das Wirtschaftswachstum in den  Schwellenländern verlangsamt sich.

Während die Einkaufsmanagerindizes (Purchasing Manager Indices, PMI) in den Industrieländern eine steigende Produktion anzeigen, stehen viele Indikatoren der Schwellenländer in der Kontraktionszone. Wegen der starken Abwertung der Währungen in den vergangenen neun Monaten könnten Unternehmen, die sich in Dollar verschuldet haben und den Umsatz in heimischer Währung erzielen, in Schieflage geraten.

Noch kein Flächenbrand

Sowohl im Fall von Shanghai Chaori Solar Energy & Technology als auch für Oceanografia waren aber weder Währungseffekte noch das geringere Wirtschaftswachstum der Grund für das Scheitern. Entscheidend waren vielmehr unternehmens- und branchenspezifische Faktoren.

Auch die Ratingagenturen sehen keinen Anstieg der Ausfallraten bei Unternehmensanleihen der Emerging Markets. S&P etwa erwartet, dass die Kreditqualität in Lateinamerika aufgrund der soliden Wirtschaftsaussichten 2014 stabil bleibt. Moody’s rechnet damit, dass die globale Ausfallrate bei hochverzinslichen Unternehmensanleihen von derzeit 2,5 auf 2,2% Ende Jahr fallen wird.

Letztes Jahr verzeichnete Moody’s bei den hochverzinslichen Unternehmensanleihen 66 Zahlungsausfälle. Davon fielen acht auf Lateinamerika, vier auf Osteuropa und einer auf China.