Unternehmen / Praktikus

Der Praktikus vom 14. April 2018

Die Themen: das lange Warten auf den Jahresabschluss, Panalpina und die Aktivisten, gebannter Handel in Sulzer, Bär und die Risiken und Tornos hat den Zug verpasst.

«Nichtstun macht nur dann Spass, wenn man eigentlich viel zu tun hätte.»
Noël Coward
Engl. Schauspieler (1899 – 1973)

Lieber Investor

Jetzt mal ehrlich. Wie lange braucht es, damit ein Finanzchef einen Jahresabschluss zusammenhat? Maximal einen Monat, würde ich meinen. Aber nein, es gibt Unternehmen, die haben es immer noch nicht geschafft. Zum Beispiel Jungfraubahn, Hochdorf und Burkhalter sind erst jetzt mit Zahlen gekommen. Nach meiner Rechnung also gut zwei Monate zu spät. Und das waren noch nicht mal die Letzten. Romande Energie und Phoenix Mecano liefern den Abschluss erst kurz vor Ende April.

Ich kann Ihren Einwand förmlich hören: Zum Beispiel Phoenix Mecano habe einen Vorabschluss gebracht und die Jungfraubahn-Gruppe erste Zahlen gemeldet. Und jetzt? Was nützt es mir, wenn wie im Fall Jungfrau erst die Anzahl Besucher gemeldet wird, zwei Monate später der Umsatz sowie eine Gewinnschätzung, und erst Anfang April der Geschäftsbericht kommt? Die Verteilung der Geschäftszahlen auf mehrere Häppchen ist ein Unsinn. Dahinter stecken mehr Marketingüberlegungen als der Gedanke an die Aktionäre. Das geht mir extrem gegen den Strich. Sie glauben, ich dresche nur auf die Kleinen ein? Keineswegs. Ich weiss genauso wenig, was es bei CS, Zurich und andern SMI-Unternehmen bringen soll, erst einmal einen Abschluss vorzulegen – immerhin früher als die erwähnten Small Caps – und dann einen Monat später den Geschäftsbericht. Bitte, liebe Finanzchefs und Investor-Relations-Leute. Hört auf mit diesem Unsinn.

Panalpina und die Aktivisten

Ich habe mich wiederholt zu Panalpina geäussert. Der Frachtlogistiker strapaziere die Geduld der Aktionäre, schrieb ich schon vor einem Jahr. Nun ist der Geduldsfaden offenbar gerissen. Grossaktionär Artisan äusserte gemäss «Handelszeitung» deutliche Kritik bei seinem jüngsten Besuch in der Schweiz. Der US-Investmentgesellschaft ist ein Dorn im Auge, dass der Hauptaktionär von Panalpina, die Ernst-Göhner-Stiftung, und der mit der Stiftung personell verflochtene Verwaltungsrat zu einseitig auf Selbständigkeit pochen – in einer Branche, in der sehr vieles im Fluss ist. Damit vergebe sich Panalpina strategische Möglichkeiten zur Wertsteigerung.

Artisan ist nicht irgendein Aktionär, sondern seit bald zehn Jahren dabei. Ende 2009 erhöhte das Investmenthaus die Beteiligung auf mehr als 5%, seit März 2013 sind es um die 10%. Mit der Aufstockung des Engagements setzte auch Artisan vor fünf Jahren darauf, dass das neue, aus ehemaligen Kühne+Nagel-Leuten zusammengesetzte Management Panalpina deutlich profitabler macht. Diese Hoffnung ist Jahr für Jahr enttäuscht worden, auch 2017. Kein Wunder, ist der Kurs erneut unter Druck geraten.

Ich gehe davon aus, dass auch Cevian als zweitgrösster Aktionär zum Club der Unzufriedenen gehört. Nur ist die aktivistische Investmentgesellschaft selbst – wie bei ABB – seit 2013 im VR vertreten, was aber offenbar auch nicht sehr viel genützt hat. Für mich ist klar: Panalpina muss dieses Jahr endlich beweisen, dass das neue IT-System Früchte trägt und die ungenügende Profitabilität spürbar verbessert. Sonst knallt’s. Oder ist es schon an der Generalversammlung  von Panalpina am 8. Mai so weit?

Gebannter Handel in Sulzer

Die Compliance-Abteilungen in den Banken gelten als verschwiegen und unzugänglich. Ihre Aufgabe, die korrekte bzw. gesetzes- und vorschriftskonforme Geschäftsbesorgung, ist zwar unbestritten nützlich. Doch mittlerweile sind daraus grosse bürokratische Monster geworden. Intern sind die Abteilungen nicht sehr beliebt. Das suggeriert jedenfalls der Übername KGB, den die Compliance der UBS von einigen erhalten hat. KGB steht für den Geheimdienst der Sowjetunion.

Am Montag hat das UBS-interne KGB wieder zugeschlagen und angeordnet, keine Börsenaufträge für Sulzer-Aktien mehr entgegenzunehmen. Auch Credit Suisse, obwohl eine Hausbank, handelte Sulzer-Titel nicht mehr. Selbst die Schweizer Börse soll sich einen Handelsstopp überlegt haben. Und dann, obwohl am Donnerstagmorgen klar war, dass sich Sulzer von den Sanktionen befreien konnte, schaffte es die UBS-Compliance erst am Nachmittag, den Handel freizugeben. Gleich gemächlich verhielt sich im Übrigen der Datenlieferant Bloomberg, der lange keine Kurse anzeigen wollte.

Zum Glück verhielten sich nicht alle Banken gleich wie die zwei Grossen. Mir sind die ZKB sowie die Broker Main First und Kepler Cheuvreux genannt worden, die weiter handelten. Selbst einzelne US-Institute sollen Verkäufe ausgeführt haben. Das zeigt doch, Compliance ist Auslegungssache. Mir müssen die zwei Grossbanken erklären: Weshalb soll ich von US-Sanktionen betroffen sein, wenn ich als Schweizer über mein Schweizer Depot Aktien eines Schweizer Unternehmens über die Schweizer Börse erwerben will? Ich kenne viele, die hätten Sulzer gerne für unter 100 Fr. gekauft.

Bär und die Risiken

Vielleicht haben Sie die Medienberichte rund um Julius Bär gelesen. Die NZZ schrieb, Bär sei im Visier der Finanzmarktaufsicht Finma. Die Behörde führe ein Enforcement-Verfahren gegen die Bank. Es geht wohl um die interne Abklärung von Risiken bei der Aufnahme neuer Kunden – die Stichworte dazu sind Fifa und Venezuela. Interessant fand ich, dass die Bank einen ersten, von der Finma in Auftrag gegebenen Bericht dazu als fehlerhaft zurückwies, inzwischen liegt offenbar ein zweiter Bericht der Kanzlei Wenger Plattner mit ähnlichen Schlüssen vor. Nun, ich weiss nicht mehr.

Aber ich höre aus Bär-Kreisen, dass die Bank seit 2017 die Frontteams mehr in die Verantwortung nimmt, um Risikokunden frühzeitig zu erkennen. Das heisst, es gab also Handlungsbedarf, die internen Prozesse mussten verbessert werden. Welche Rolle dabei der eben im Amt bestätigte CEO Bernhard Hodler als langjähriger Chief Risk Officer spielt, weiss ich nicht. Ich muss davon ausgehen, dass die Finma Hodler geprüft und ihm Gewähr erteilt hat. Und ich hoffe, die Finma macht dereinst den Inhalt des Enforcement-Verfahrens bekannt. «Name and Shame», ist meine Devise.

Tornos: Zug verpasst

Ungewohnt hohe Handelsvolumen und starke Kursschwankungen sind in den Aktien des Maschinenbauers Tornos schon seit längerem zu beobachten. Dahinter sollen Akteure aus dem angelsächsischen Raum stecken, ist zu hören. Am Mittwoch sackten die Aktien aufgrund von grösseren Bestens-Verkaufsaufträgen ab. Seither haben sie sich etwas stabilisiert, doch die Volumen blieben hoch. Keine Frage: Tornos geht es blendend, die neuen Maschinentypen kommen bei den Kunden sehr gut an, und die Lieferfristen sind lang. Ich würde die Titel weiter halten, doch leider habe ich den Einstieg verpasst.

Ihr Praktikus

Leser-Kommentare

Markus Schläfli 15.04.2018 - 13:27
Lieber Praktikus. Vorab vielen Dank für Ihre Artikel, welche ich regelmässig und gerne lese. Ihrer am 14.4. geäusserten Ansicht, dass Jahresabschlüsse binnen eines Monats erstellt sein sollten, kann ich jedoch nicht folgen. Dies geht zulasten der Qualität! Wenn die Verrechnungen über einen je nach Branche unterschiedlich langen Zeitraum nicht abgewartet werden können und die Konzerntöchter mangels Grundlage den Abschluss ausschliesslich… Weiterlesen »