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Der Praktikus vom 30. Januar 2021

Die Themen: die Seuche Negativzins, Klartext von Landis+Gyr, Impulse gefragt für Ascom, für Schindler eher skeptisch, und Swatch Groups Baustellen.

«An manche Dinge erinnert man sich, obwohl sie vielleicht gar nie geschehen sind.»
Harold Pinter
brit. Schriftsteller (1930–2008)

Lieber Investor, 

Der Negativzins zieht bei den Schweizer Banken weiter seine Kreise. Nun hat die Zentrale der Raiffeisenbanken offenbar ihre Einzelinstitute dazu angehalten, ­Negativzinsen zu erheben, wenn Kunden grosse Geldmengen auf einmal bei ihnen deponieren wollen. Das Wort «Flucht­gelder» macht die Runde. Flucht wovor?

Ein Beispiel ist UBS. Wie mein Kollege Valentin Ade bereits vor zwei Wochen ­geschrieben hat, wird das neue Negativzinsregime von UBS nicht ohne Konsequenzen bleiben. Die Grossbank hat vor vierzehn Tagen nicht nur beschlossen, jede sechste Filiale zu schliessen, sondern auch, ab der Grenze von 250 000 Fr. Cash Negativzinsen von ihren Privat­kunden zu verlangen. Damit hat sie sich an die Spitze einer Bewegung ­gesetzt, die mehr und mehr auf dem ­gesamten Bankenplatz um sich greift.

Die Seuche Negativzins

Viele Banken erheben längst Negativzins, manche erst ab 2 Mio., manche ab einer Viertelmillion, einige machen das publik, andere halten es unter der Decke. Im Grunde wollen die Banken selbst so ­wenig Negativzins wie möglich auf ihren Einlagen bei der Nationalbank zahlen und versuchen uns – die Kunden – mit den Strafgebühren in für sie selbst lukrativere Anlagegefässe zu drücken. Obendrein sind die Gebühren für ein simples Bankkonto in den vergangenen Jahren stark gestiegen, diesen versteckten Negativzins zahlen wir alle also schon längst. Ich sage, dieser Trend wird weitergehen. Die Vorgaben von UBS und Raiffeisen werden auf dem Bankenplatz nicht ohne Konsequenzen bleiben. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?

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