Unternehmen / Praktikus

Der Praktikus vom 6. Februar 2021

Die Themen: Swiss Life kauft eigene Aktien, UBS greift in die Vollen, der Commerzbank geht es noch schlechter, Alcon schon zu gut bezahlt, zu viele Kontroll-Ämtli und der alte Nestlé-Zopf.

«Dass doch die Menschen immer meinen, eine Tatsache erklärt zu haben, wenn sie nur ein recht fremdartiges Wort dafür gefunden haben.»
Friedrich Glauser
Schweizer Schriftsteller (1896–1938)

Lieber Investor, 

Da bin ich total perplex. Der Versicherer Swiss Life kauft seit Jahresbeginn wieder eigene Aktien. Dabei hat die Ratingagentur Moody’s eben erst gewarnt, der Ausblick für schweizerische Lebensversicherer sei negativ. Sie müssten die Gelder der Vorsorge- und der Lebensversicherungskunden am Finanzmarkt investieren, und dabei wirke sich die Niedrigzinslage nachteilig auf das Wachstum, den Ertrag und die Kapitalausstattung aus.

Das Management von Swiss Life ist da offensichtlich anderer Meinung. Es hatte zwar den vor Jahresfrist gestarteten Aktienrückkauf für bis zu 400 Mio. Fr. Ende März sistiert, aber nun im Januar wieder aufgenommen. Mutig wäre gewesen, im Frühjahr 2020 zu niedrigen Kursen weiter zuzuschlagen. Das Abwarten hat nämlich zur Folge, dass Swiss Life nach der kräftigen Kurserholung jetzt mit dem reservierten Betrag weniger Stück vom Markt nehmen kann. Und ich frage mich gar, ob das zu 13,5 Mrd. Fr. börsenbewertete Unternehmen nun, gerade mit Blick auf die von Moody’s düster gemalten Branchenperspektiven, zu einem kritischen Zeitpunkt einen Teil der Substanz für ­Aktienrückkäufe verschleudert.

UBS greift in die Vollen

Ein gänzlich neues Aktienrückkauf­programm hat UBS gestartet und diesmal die grosse Kanone ausgepackt. Sie will anders als früher mehr Kapital über Aktienrückkäufe an die Investoren zurückführen und weniger via Dividende. Als Privatanleger schmeckt mir so etwas gar nicht. Die einstige Dividendenrendite von rund 5% war böse gesagt das einzig Interessante an den Titeln. Dem Mana­gement dagegen passte wohl gar nicht, dass der Aktienkurs seit Jahren im Keller feststeckt, schliesslich bemisst sich sein Bonus unter anderem an der Kursentwicklung. Vor diesem Hintergrund ­erscheint das neue Programm in einem ganz speziellen Licht. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?

Leser-Kommentare

Aloys K. Osterwalder 07.02.2021 - 21:51

Wie schon wiederholt in dieser Leser-Kommentar-Spalte erwähnt, das UBS-
Aktienrückkaufprogramm ist eine Ohrfeige an den arg gebeutelten Aktionär.
Hohe Dividenden und Stärkung der Eigenmittel sind der einzig vernünftige
Anreiz, um UBS-Aktien zu halten oder gar zu kaufen. Dies würde letztlich
auch dem UBS-Management nützen.