Meinungen

Der Regulator gibt den Takt an

Mit der Übernahme der Banco Popular durch Santander zeigt der Regulator seine Macht. Die Too-big-to-fail-Debatte in Spanien akzentuiert sich, schreibt FuW-Redaktor Jeffrey Hochegger.

«Es handelt sich um ein historisches Ereignis. Erstmals wird der einheitliche europäische Bankenabwicklungsmechanismus angewendet.»

Die spanische Grossbank Santander übernimmt die angeschlagene Banco Popular für einen Euro. Der Kaufpreis ist symbolisch. Santander muss rund 8 Mrd. € investieren, um die Bank zu sanieren. Was aussieht wie ein weiterer Schritt in der Aufarbeitung der Finanzkrise, ist weit mehr.

Es handelt sich um ein historisches Ereignis. Erstmals wird der einheitliche europäische Bankenabwicklungsmechanismus angewendet. Er wurde nach der Finanzkrise etabliert, um notleidende europäische Banken abzuwickeln oder zu sanieren. Organisatorisch untersteht er der Europäischen Zentralbank und wird vom Single Resolution Board (SRB) beaufsichtigt.

Der Prozess funktioniert, er hat seine erste Bewährungsprobe bestanden. Banco Popular konnte gerettet werden, ohne dass der Staat einspringen musste. Steuergelder wurden verschont. Somit scheint auch dieses Ziel erreicht.

Es erstaunt aber, dass der Regulator so früh eingegriffen hat. Diese Möglichkeit hat das SRB, wenn die Zukunft der Bank auf dem Spiel steht. Die Bilanzkennzahlen der Banco Popular waren nicht gut, aber über der kritischen Schwelle. Knapp werdende Liquidität wird als Hauptgrund genannt. Das Vorgehen zeigt: Dem Regulator ist es ernst, er wird aktiv. Ein positives Zeichen, das den Sektor stabilisieren dürfte.

Wird eine Bank für einen Euro verkauft, gibt es auch Verlierer. Bei Popular sind es die Aktionäre und ein Teil der Fremdkapitalgeber. Aktienkapital, zusätzliches Kernkapital und Ergänzungskapital sind wertlos. Erstmals kommt es zu einem Ausfall von Pflichtwandelanleihen (Cocos). Auch die Wandlung in Aktien bringt nichts. Es ist nur eine Formalität.

Gut möglich, dass der Ausfall der Cocos die Wahrnehmung der Anleger verändert. Couponzahlungen von 8,25% oder 11,5% sind nicht risikolos, das wurde oft ausgeblendet. So schmerzhaft die Entwicklung um Popular für die Betroffenen ist, sie erfüllt ihr Ziel. Risikokapitalgeber werden zur Kasse gebeten und tragen den Schaden.

Einen Wermutstropfen gibt es noch: Für die Rettung bedarf es der Grossbank Santander. Sie stärkt mit der Übernahme ihre Marktposition und verfügt je nach Geschäftsbereich nun über einen Marktanteil von bis zu 25%. Die Too-big-to-fail-Debatte wird damit in Spanien noch akzentuiert.