Zum Thema: «Siemens wird ein flexibler Flottenverband»

Der Riese weist erste Erfolge vor

Die Basis für höhere Siemens-Kurse ist gelegt, wenn auch zunächst mit einer Verschnaufpause zu rechnen ist.

Die Aktien von Siemens (SIE 144.34 +1.22%) haben am 1. März ein Allzeithoch von 126 € erreicht. Das ist erwähnenswert, weil sie letztmals fast auf den Tag genau im Jahr 2000 nahe diesem Niveau notierten. Damals hatte die Dotcom-Blase die Börsen weltweit in die Höhe getrieben. Ein Ausflug über die 100 € vor zehn Jahren wurde durch die Finanzkrise jäh beendet.

Der jüngste Kursanstieg scheint auf festeren Füssen zu stehen, dank der Strategie 2020 des seit 2013 amtierenden CEO Joe Kaeser. In den vergangenen Jahren wurde die Organisation bereits vereinfacht und das Portfolio durch Akquisitionen und Devestitionen optimiert. Sparmassnahmen werden planmässig umgesetzt, schwächelnde Geschäfte restrukturiert und in Richtung besserer Margen getrieben. Acht von neun Divisionen erreichen bereits die jeweilige Zielmarge.

Der Aktienkurs wird in naher Zukunft von zwei Faktoren bestimmt werden: von der Entwicklung des operativen Geschäfts und vom Erfolg der geplanten Börsengänge der Sparten Gesundheit (Healthineers) sowie Wind- und Erneuerbare Energie (Siemens-Gamesa). Diese Divisionen machen rund ein Viertel des Gesamtumsatzes aus, aber mehr als 30% des Ergebnisses.

Mehr Gewinn je Aktie

Die Ziele für das laufende Geschäftsjahr sind vorsichtig optimistisch: Das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz soll zwar über dem Faktor 1 liegen. Das Management geht aber weiterhin von Gegenwind für das Wirtschaftswachstum und das Investitionsklima auf den relevanten Märkten aus. Es wird nur ein geringes Wachstum des Umsatzerlöses, bereinigt um Währungsumrechnungs- und Portfolioeffekte, in Aussicht gestellt. Nach einem guten Auftakt im ersten Geschäftsquartal (September bis Dezember) wurde die bisherige Erwartung für das Jahresergebnis angehoben. Für das industrielle Geschäft lautet das Ziel der Ergebnismarge statt wie bisher 10,5 bis 11,5% nun 11 bis 12%. Auch für das unverwässerte Ergebnis je Aktie sieht es besser aus: Bisher wurde eine Bandbreite von 6.80 bis 7.20 € genannt, nun sind es 7.20 bis 7.70 € .

Analysten gehen von einem ansehnlichen Umsatzanstieg aus und einer leicht steigenden Marge. Für den Gewinn je Aktie wird im Schnitt bereits ein Wert erwartet, der über den Unternehmensprognosen liegt.  Das Kurs-Gewinn-Verhältnis basierend auf diesen Analystenschätzungen für das laufende und das kommende Jahr beträgt 16 und 15. ABB (ABBN 34.00 +1.43%) sind mit 21 und 18 deutlich teurer. Das kann zum Teil mit den Margen erklärt werden. ABB kommt bereits auf höhere Werte, und es wird mit mehr Wachstum gerechnet als bei Siemens. Ausserdem hat ABB ein besseres Verhältnis von Nettoschulden zum Ebitda vorzuweisen.

Schulden werden abnehmen

Doch die Nettoschulden von Siemens werden gemessen am Ebitda aus eigener Kraft zurückgehen und zusätzlich sinken, sobald Mittel aus den Abspaltungen zufliessen. Die Leistung von Siemens ist auch erkennbar daran, dass der Buchwert je Aktie derzeit schneller wächst als bei ABB.

Wie alle Industriekonzerne setzt auch Siemens auf Digitalisierung. Der Konzern sieht sich dabei in einer führenden Position, da niemand sonst die drei Komponenten Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung so ausgeprägt unter einem Dach vereine. Die Basis für höhere Aktienkurse von Siemens ist gelegt, auch wenn zunächst eine Verschnaufpause zu erwarten ist.