Russlands Wirtschaftsleistung ist buchstäblich ein Armutszeugnis. Egal, welches Zahlenset dazu betrachtet wird: Für ein solches Riesenland, gesegnet mit derart enormen Ressourcen und mit einer insgesamt gut gebildeten Bevölkerung von 145 Mio. Menschen, wäre noch das fünffache ­Bruttoinlandprodukt eher bescheiden. Das kleine Südkorea etwa, das 1953 noch kriegsversehrt darniederlag, hat eine Volkswirtschaft entwickelt, die heute etwas grösser ist als die russische. Die chinesische Provinz Jiangsu zum Beispiel (wer kennt sie nicht?) bringt es nahezu auf ein BIP wie Russland – das Überholen ist nur eine Frage der Zeit. Reizvoll ist der ­Vergleich mit der Schweiz, die es auf ungefähr die Hälfte der russischen Wirtschaftskraft bringt (ohne Verkaufsschlager wie Öl, Gas und Kriegsgüter). Der US-Bundesstaat Kalifornien oder auch das Vereinigte Königreich sind ökonomisch etwa doppelt so gewichtig wie Russland. Sollte Putin über die Ukraine herfallen, würde Russlands Wirtschaft tauchen, wegen der zu erwartenden Sanktionen und wegen der Kriegs- und Okkupationskosten. «Obervolta mit Atomraketen», höhnte einst der deutsche Kanzler Helmut Schmidt über die damalige Sowjetunion – bitterböse zwar, doch auch heute nicht völlig falsch. Russland liegt gefesselt darnieder, wie der Riese Gulliver aus Jonathans Swifts Klassiker. Eine substanzielle Steigerung ist innerhalb des Systems Putin illusorisch.