Märkte / Aktien

Der Risikoappetit der Fondsmanager steigt

Die Bullen sind zurück: Dank wachsendem Konjunkturoptimismus haben Profianleger die Portfoliogewichtung von riskanten Vermögenswerten ausgebaut.

Die Risikobereitschaft unter den professionellen Investoren ist deutlich gestiegen. Das zeigt die jüngste Fondsmanagerumfrage von Bank of America Merrill Lynch. Ein zentraler Grund für die neu gewonnene Zuversicht liegt in den Konjunkturerwartungen. So gehen inzwischen netto 29% der befragten Fondsmanager davon aus, dass sich die Weltwirtschaft über die nächsten zwölf Monate verbessern wird – 22 Prozentpunkte mehr als noch im vergangenen Monat.

 

Nach wie vor fürchten sich die Investoren am stärksten vor dem sino-amerikanischen Handelsstreit («Trade war»). Die Nennungsrate hat sich gegenüber November allerdings um 6 Prozentpunkte auf 33% verringert. Da die Umfrage zwischen dem 6. und dem 12. Dezember durchgeführt wurde – und damit noch vor Abschluss des Phase-1-Abkommens –, dürften sich diese Befürchtungen inzwischen weiter abgeschwächt haben.

Auf dem zweiten Platz rangiert neu die Angst vor dem Ausgang der nächstjährigen US-Präsidentschaftswahlen («Outcome of 2020 election»). Auf dem dritten Platz figuriert die Befürchtung, dass die Preisblase im Anleihenmarkt platzt («Bond bubble pops»).

 

Dass sich die Risikoneigung unter den Anlegern verstärkt hat, zeigt sich in der Portfolioallokation. Im Vergleich zum Vormonat ist die Gewichtung riskanter Vermögenswerte gestiegen. So wurde der Anteil von Aktien («Equities») wie auch von Vermögenswerten aus den Schwellenländern («EM», Emerging Markets) erhöht. Tendenziell reduziert wurden die Positionen in Anleihen («Bonds»), im amerikanischen Markt («US») sowie in grosskapitalisierten Unternehmen («Large vs. Small»).

 

Angesichts der gestiegenen Risikofreude halten die Fondsmanager die Cashposition auf einem niedrigen Niveau. Wie bereits im vergangenen Monat notiert die Quote bei 4,2%, was dem tiefsten Wert seit dem Frühjahr 2013 entspricht.

 

Auf Ebene der Unternehmen ist ebenfalls der Optimismus zurückgekehrt. Inzwischen erwarten netto 14% der befragten Investoren, dass sich die globalen Gewinnaussichten («Profit expectations») über die kommenden zwölf Monate verbessern werden – der höchste Stand seit April 2018. Gegenüber dem Vormonat entspricht das einem Plus von 23 Prozentpunkten.

 

Verschärft hat sich hingegen, was die professionellen Anleger als den «Most Crowded Trade» erachten – also die am meisten überlaufene Wette an den Finanzmärkten. Auf dem ersten Platz notieren Investitionen in amerikanische Tech- und Wachstumsaktien («Long US tech & growth stocks»). Auf dem zweiten Rang folgt die Wette auf steigende Kurse von US-Staatsanleihen («Long US treasuries»).

 

Trotz der verbesserten Anlegerstimmung haben sich die Befürchtungen einer zu hohen Konzernverschuldung nicht komplett verflüchtigt. Wie im vergangenen Monat halten netto 39% der professionellen Investoren die Bilanzen für überstrapaziert («Overleveraged») – gehen also davon aus, dass die Gesellschaften zu viel Fremdkapital aufgenommen haben.

 

Dennoch schlägt sich die gesunkene Risikoaversion der Fondsmanager in der Prioritätensetzung nieder: Der Wunsch nach höheren Kapitalinvestitionen («Increase capital spending») hat sich mit einer Nennungsrate von 46% weiter verstärkt. Das Bedürfnis, dass die Unternehmen Schulden abbauen («Improve balance sheets»), hat dagegen leicht an Terrain verloren. Den Wunsch nach einer Rückführung liquider Mittel an die Aktionäre über Dividenden oder Aktienrückkäufe («Return cash to shareholders») äussern nur 15%.