Unternehmen / Ausland

Der russische Oligarch baut Imperium zügig aus – 30%-Beteiligung an Baukonzern – Strabag-IPO noch offen

Peter Schuppli

Sochi/Moskau

Die Turbulenzen an den Finanzmärkten und die Ungewissheit, ob das Schlimmste noch bevorsteht, hat Konsequenzen auf die Börsenpläne verschiedener Unternehmen respektive für deren Aktionäre. So wurde die geplante und entsprechend (von westlichen Investmentbanken) vorbereitete Publikumsöffnung des russischen Alukonzerns Rusal verschoben. Das IPO, es wäre mit 5 bis 10 Mrd.$ das weltweit grösste in diesem Jahr gewesen, und die Einführung an der Londoner Börse sind nun auf 2008 terminiert. Hauptaktionäre von Rusal sind die beiden Oligarchen Oleg Deripaska und des auch hierzulande aktiven Victor F. Vekselberg (bedeutender Aktionär von Oerlikon sowie Sulzer). Offen ist auch, ob der österreichische Baukonzern Strabag, an dem Deripaska seit Frühjahr eine Beteiligung von 30% hält (vgl. FuW Nr.33 vom 28.April), wie geplant im kommenden Oktober die beabsichtigte Aktienemission und Publikumsöffnung realisiert.
Wie Strabag-CEO Hans Peter Haselsteiner an einer Medienkonferenz in dem am Schwarzen Meer gelegenen Sochi, Gastgeber der Olympischen Winterspiele 2014, ausführte, soll der Entscheid am 8.Oktober fallen, die Erstnotiz an der Börse ist für den 19. Oktober vorgesehen. Ausschlaggebend für den Entscheid wird nicht nur die Verfassung der Finanzmärkte sein, sondern auch das Ergebnis der laufenden Aktienemission im Rahmen einer Kapitalerhöhung der in Osteuropa engagierten Raiffeisen International Bank. Geplant ist die Plazierung von maximal 11,9 Mio. Aktien im Wert von rund 1,2 Mrd. Euro. Findet die Aktienemission zu wenig Anklang unter den Investoren, bliebe das nicht ohne Folgen auf die Absichten der Strabag.
Diese ist zurzeit im Besitz von drei Aktionärsgruppen: der Familie Haselsteiner, der Raiffeisen Holding Niederösterreich-Wien sowie Oleg Deripaskas Rasperia. Nach dem IPO würden alle drei sowie das Publikum je 25% der Aktien halten. Die Titel sollen teils aus den Beständen der Altaktionäre, teils aus einer Kapitalerhöhung stammen. Die Mittel sollen die Bilanz stärken und einen weiteren Ausbau des Baukonzerns ermöglichen. Falls die Marktlage eine Publikumsöffnung jedoch verunmöglicht, würde der Börsengang für längere Zeit auf Eis gelegt. Haselsteiner fasst in diesem Fall das Jahr 2009 ins Auge. Strabag gibt an, im laufenden Jahr mit rund 60000 Beschäftigten eine Bauleistung (Umsatz plus Umsatz aus Joint Ventures) von 11 Mrd. Euro zu erbringen. Von Deripaskas Aktivitäten erhoffen sich die Österreicher, die schon jetzt rund 30% des Bauvolumens in Zentral- und Osteuropa abwickeln, zusätzliche Impulse, nicht nur in Zusammenhang mit den Bauten für die Olympischen Spiele in Sochi. Denn in Russland besteht ein enormer, auf 1000 Mrd. Euro geschätzter Nachholbedarf im Infrastrukturbereich. In Diskussion ist dabei auch eine Zusammenlegung der Zementaktivitäten von Strabag und Deripaska.
Dessen umfangreiche Industrie- und Finanzbeteiligungen sind in der Dachholding Basic Element (vgl. Organigramm) mit konsolidiert über 300000 Beschäftigten und 23 Mrd.$ Vermögenswerten zusammengefasst. Ein Börsengang von Basic Element ist nicht auszuschliessen, aber gemäss Deripaska zurzeit kein Thema.
Über die Art und Weise, wie der erst 39-jährige Oligarch mit einem geschätzten Vermögen von 17 Mrd.$ zum angeblich reichsten Mann aufrücken konnte, ranken sich abenteuerliche Geschichten. Jedenfalls war es für ihn kein Nachteil, der Schwager des verstorbenen Präsidenten Jelzin zu sein. Dieser hatte die Privatisierung wichtiger russischer Industrien in Gang gesetzt.

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