Unternehmen / Schweiz

Der Schweizerische Anlagefondsverband will die Transparenz fördern

Von Nelly Hasler

Die schweizerischen Anlagefonds ver-zeichnen seit einigen Jahren eine ausserordentlich dynamische Entwicklung. 1999 ist das Vermögen der von schweizerischen Anbietern im In- und Ausland aufgelegten Fonds um über 30% bzw. 103 Mrd. auf rund 430 Mrd. Fr. gestiegen. Von diesem Vermögenszuwachs entfallen 45 Mrd. Fr. auf Mittelzuflüsse. Ende Februar 2000 erreichte das Fondsvermögen bereits 456 Mrd. Fr. Dieses enorme Wachstum erfolgte aus Sicht des Anlegerschutzes ohne nennenswerte Zwischenfälle. Das spricht für das geltende Anlagefondsgesetz (AFG), die Qualität der Aufsichtsorgane und die Integrität der Fondsanbieter.
Dennoch stellt sich der Branchenverband Swiss Funds Association SFA an seiner Generalversammlung in Bern die Frage nach der Zweckmässigkeit der derzeitigen Gesetzgebung. In manchen europäischen Ländern ist der Fondsbegriff wesentlich weiter gefasst als in der Schweiz, indem auch Fonds in gesellschaftsrechtlicher oder treuhänderischer Form zulässig sind. Aus der Sicht der schweizerischen Fondsleitungsgesellschaften geht es vor allem um die Zulassung von Anlagefonds in körperschaftlicher Struktur, sei es in offener (Sicav) oder in geschlossener Form (Sicaf).
Bereits im Gang sind die Vorarbeiten zur Revision der Anlagefondsverordnung, die im Rahmen der geltenden Gesetzgebung verschiedene formelle und materielle Anpassungen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der schweizerischen Fondswirtschaft vornehmen soll. Mit der Revision der AFV-EBK sollen die Bestimmungen über den Einsatz derivativer Finanzinstrumente und über die Zulassung von Pensionsgeschäften (Repurchase agreements, so genannte Repos) in Wertschriftenanlagefonds modernisiert werden.
Um dem Informationsbedürfnis der Marktteilnehmer zu entsprechen, soll mit zuverlässigen statistischen Marktinformationen das Produktangebot transparent gemacht und ein umfassender Überblick über die Entwicklung des schweizerischen Fondsmarkts ermöglicht werden. Das Projekt Fondsstatistik beanspruchte 1999 massgebliche Verbandskapazitäten. Die Fondsstatistik soll unter dem Namen «Transparenz am Fondsmarkt» noch in diesem Jahr von der SWX Swiss Exchange eröffnet und geführt werden. Ab Oktober will die SWX die Daten von über 1200 Anlagefonds erfassen und publizieren. Die Adressaten sind einerseits die Fondsanbieter und anderseits amtliche Stellen (Schweizerische Nationalbank, Eidgenössische Bankenkommission). Die Daten werden auch den Zeitungen geliefert, und sie können über das Internet abgerufen werden. Ein Element ist die exakte Fondskategorisierung mit Blick auf aussagekräftige Performance-Vergleiche.
Mit der Revision des Anlagefondsgesetzes befasste sich an der SFA-GV auch Gastreferent Bundesrat Kaspar Villiger. Er teile die Auffassung, dass die strikte Beschränkung auf Fonds vertraglicher Art einem leistungsfähigen Fondsplatz nicht mehr entspreche. Durch das Fehlen einer Rechtsgrundlage für die im Ausland sehr beliebten Sicav könnten diese in der Schweiz nicht gegründet werden. Anderseits müsste auch untersucht werden, ob nicht Produkte, die die Fonds konkurrenzieren (Anlagestiftungen, Investmentgesellschaften), nach dem Grundsatz «Same business, same rules» der gesetzlichen Aufsicht zu unterwerfen wären. Mit der Revision der gesetzlichen Grundlagen soll nach Bundesrat Kaspar Villiger in der Fondsbranche Wachstumspotenzial freigelegt werden. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?