Meinungen

Der überschätzte Einfluss der Pessimisten

Leerverkäufer sind wichtige Marktakteure, doch Short-Wetten auf Einzelaktien sind etwas für Profis. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Ivo Ruch.

«Vorsicht ist geboten, wenn die Attacken mit fundamentalen Problemen des Unternehmens zusammenhängen.»

Wenn Leerverkäufer angreifen, breitet sich häufig Verunsicherung aus. Kein Wunder, gehen doch mit Short-Attacken in der Regel Kurseinbrüche einher. Gerade, wenn sie durch kritische Berichte und pessimistische Kursziele angeheizt werden.

Doch der Einfluss von Abwärtsaktivisten wird überschätzt. Eine Analyse von 1500 Short-Transaktionen kommt gar zum Schluss, dass es sich häufig lohnt, kurze Zeit nach einem Angriff in die Titel zu investieren.

Ein Beitrag zur Effizienz

Vorsicht ist geboten, wenn die Attacken mit fundamentalen Problemen des Unternehmens zusammenhängen, betrügerischem Verhalten oder finanziellen Engpässen. Legendär ist in dieser Hinsicht die Rolle von Short Sellers beim Kollaps von Wirecard.

Für Leerverkäufer gilt deshalb, was allgemein für aktivistische Investoren gilt: Sie können frühzeitig auf Probleme hinweisen und das Unternehmen im Idealfall zum Umdenken bewegen. Dadurch leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Markteffizienz.

Absichern mit ETF

Das aktuell nervöse Börsenumfeld macht Wetten auf sinkende Kurse wieder attraktiver. Frühere Börsenlieblinge wie Bachem (BANB 70.20 +2.41%), Straumann (STMN 118.75 +4.63%) oder VAT stehen seit Jahresanfang zweistellig im Minus.

Anleger sind aber gut beraten, diese Wetten den Profis zu überlassen. Die Mechanik von Put-Optionsscheinen und Short-Mini-Futures ist komplex, bei Einzelaktien ist das Risiko ohnehin zu hoch. Wer sein Portfolio absichern möchte, tut das am einfachsten über ETF oder strukturierte Produkte, die ganze Indizes oder bestimmte Anlagestile abbilden.