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Der Wachhund braucht Zähne

Insiderhandel ist nach wie vor ein häufiges Phänomen an der Schweizer Börse. Die Aufsicht macht dabei keine gute Figur. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Valentin Ade.

«So geheimnisvoll viele Insider vorgehen, so geheimnisvoll tun SIX, Finma und auch Bundesanwaltschaft beim Thema Insiderhandel.»

Täglich kommt es an der Schweizer Börse zu auffälligen Handelsaktivitäten, die auf Insiderhandel schliessen lassen. Nur den wenigsten Fällen wird wirklich nachgegangen. Das hat nicht zuletzt Kapazitätsgründe. Bei der Finanzmarktaufsicht (Finma) kümmern sich nur fünf Leute um diese wichtige Aufgabe. Dem Vernehmen nach will die Börsenbetreiberin SIX ihr Team, das den Markt überwacht, bald von acht auf vier Personen reduzieren. Da stellt sich die Frage, ob die Aufsicht das Thema ernst genug nimmt.

Hört man sich innerhalb der SIX um, bekommt man den Eindruck, die zuständige Abteilung SIX Exchange Regulation fahre mit angezogener Handbremse. Leute werden entlassen, notwendige Softwareupdates nicht bewilligt. Rund um die Reorganisation der SIX-Gruppe ist von politischen Ränkespielen und Revierkämpfen zu hören, die sich lähmend auf Bereiche auswirken – der eigene Wachhund ist einer davon. Wer diesen nicht ausreichend füttert, ihm keine Zähne gibt und Leine lässt, darf sich nicht wundern, wenn sich finstere Gesellen auf den Hof stehlen.

So geheimnisvoll viele Insider vorgehen, so geheimnisvoll tun SIX, Finma und auch Bundesanwaltschaft (BA) beim Thema Insiderhandel. Die SIX gibt noch nicht einmal Zahlen zur Arbeit ihres Wachhunds heraus. Die Finma und die BA gehen über reine Zahlen nicht hinaus. Welche Aktien, Derivate, Unternehmen sind betroffen? Welche Händler und Anleger spielen ein schmutziges Spiel?

Das angelsächsische «naming und shaming» ist zwar nicht Teil der Schweizer Kultur, doch die Angewohnheit, zu stossenden Sachverhalten zu schweigen und zu glauben, sie würden damit weniger schlimm, ist schlichtweg Selbstbetrug.

 

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