Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nonvaleur
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Der wahre Donald

«The only Donald that I would vote for» – auf ein solches Wahlposter passt eben nur das Konterfei eines ganz bestimmten Donald: Donald Fauntleroy Duck. Zwar neigt auch er zu cholerischen Schüben (just wie ein nur vorübergehend wichtigerer Namensvetter), doch sind Donald Ducks Ausbrüche stets herzerwärmend und zwerchfellerschütternd. In ihm erkennen wir uns wieder; der Enterich ist, sozusagen, menschlich-allzumenschlich. Die Idee, anthropomorphe Tierchen als Helden gezeichneter und verfilmter Geschichten auftreten zu lassen, ist ein offensichtlich zeit- und altersloses Erfolgsrezept. Es hat Walt Disney (1901–1966) berühmt und reich gemacht. Schon in jungen Jahren zeichnete Disney Cartoons, namentlich für die Werbung. 1920 zog er nach Hollywood, mit 40 $ in der Tasche und dem Ehrgeiz, die Kunstform des Zeichentrickfilms weiterzuentwickeln und populär zu machen. Drei Jahre später gründete er die Walt Disney Company – damals ein kleines Studio, heute ein Gigant der Unterhaltungsbranche; die Aktien sind Teil des Börsenbarometers Dow Jones Industrial – gerade kein «Nonvaleur».

1928 hatte Mickey Mouse seinen ersten Auftritt; Disney, stets auf der Suche nach innovativen Techniken, machte sich die neuen Möglichkeiten der Filmvertonung gleich zunutze (und stieg schon in den Dreissigerjahren in den Farbfilm ein). Der Mäuserich begeisterte zwar Alt und Jung, doch er steckte fest im Rollenkorsett des braven Typs – ab 1934 betrat Donald als wohltuend anarchischer Gegenpart die Bühne. «Schneewittchen und die sieben Zwerge», Fantasie statt Viecher, war 1937 der erste abendfüllende Zeichentrickfilm der Disney-Studios, ein Riesenhit mit Oscar-Krönung. Walt Disney war nun unbestritten der Märchenonkel der USA. Der Zweite Weltkrieg bremste dann das Geschäft vorerst, doch mancher Bomber der Air Force war dekoriert mit einem grimmigen Mickey oder einem wutentbrannten Donald. Da war Widerstand zwecklos.