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Der Zins-Schock am Anleihenmarkt

Sieben Charts, wie sich die Bondanleger auf den US-Präsidenten Trump vorbereiten.

Die Zinsen steigen seit dem Wahlsieg von Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen stetig. Auch am Montag geht es mit den langfristigen Marktzinsen von US-Staatsanleihen schnell aufwärts.

Seit Mittwochmorgen sind die zehnjährigen US-Renditen um über 50 Basispunkte (0,5 Prozentpunkte) gestiegen. Für den Anleihenmarkt ein Erdbeben.

Die US-Renditen haben dank Trump ein neues Jahreshoch erreicht. Aber auch in anderen Ländern geht es mit den Marktzinsen nach oben.

Die deutschen Bundesanleihen rentieren auf zehn Jahre 0,35% – so viel wie seit Anfang Februar nicht mehr. Noch Anfang Oktober lag die Rendite im negativen Bereich.

Die britischen zehnjährige Anleihen rentieren mit 1,43% so viel wie zuletzt vor dem Brexit.

Und auch die Schweizer Renditen ziehen an – sind aber noch deutlich im Minus. Zehnjährige Eidgenossen rentieren –0,11% und damit so hoch wie seit Januar nicht mehr. Auf fünf Jahre rentieren die schweizerischen Staatsanleihen –0,67%.

Auch in Südeuropa gibt es höhere Marktzinsen zu holen. Italienische Staatsanleihen rentieren nun 2,1% – und damit fast so hoch wie in den USA.

Auffällig ist, dass die Renditen spanischer Staatsanleihen nicht so stark reagiert haben. Sie notieren nur knapp über 1,5%.

Die Renditedifferenz der zwei südeuropäischen Länder ist auf politische Unsicherheit zurückzuführen. In Italien sind die Aussichten für Premierminister Matteo Renzi schlecht, ein wichtiges Verfassungsreferendum zu gewinnen.

Wenn die Renditen steigen, sinkt der Kurs von Anleihen. Normalerweise sind die Ausschläge nicht so gross, daher werden Anleihen von risikoaversen Anlegern bevorzugt. Doch wegen Trump müssen Anleihenbesitzer grosse Rückschläge einstecken.

Seit dem Wahlsieg haben zehnjährige US-Staatsanleihen fast 4% an Wert eingebüsst. Seit Mitte August waren es gar über 6%.

Und auch in der Schweiz haben konservative Anleger Einbussen zu verzeichnen – und das zusätzlich zu einem Verlust durch die negativen Renditen. Zu solchen Anlegern gehören auch Pensionskassen und Unternehmen, die für ihre Liquiditätsvorhaltung keine grossen Schwankungen akzeptieren können.

Zehnjährige Eidgenossen haben seit dem Trump-Sieg 1,2% an Wert eingebüsst. Seit dem Hoch Anfang Juli beträgt der Verlust gar mehr als 4%.

Staatsanleihen mit einer Laufzeit bis 2049 haben noch grössere Verluste gebracht: Seit der Präsidentschaftswahl ist der Kurs über 4% zurückgegangen, seit Juli fast 10%.

Woher kommt die Zinsentwicklung? Sie wird entweder durch einen höheren Realzins (das ist der nominale Zins minus die erwartete Inflationsrate) und durch höhere Inflationserwartungen ausgelöst.

Steigt der langfristige Realzins, deutet das auf verbesserte Konjunkturerwartungen der Investoren am Anleihenmarkt hin. Der nominale Zins könnte aber auch einfach dadurch gestiegen sein, dass Bondanleger für eine steigende Teuerung entschädigt werden wollen.

Im Moment ist wohl beides der Fall. Gemäss den am Terminmarkt gehandelten Inflationsswaps erwartet der Markt besonders in den USA, dass die Teuerung langfristig deutlich anzieht. Die Erwartungen haben dort jüngst ein neues Jahreshoch erreicht. Und auch die reale Rendite steigt.

In der Eurozone steigt die erwartete Teuerung zwar, aber in einem geringeren Ausmass. Dort lagen die Inflationserwartungen im Januar noch deutlich höher.

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