Die Schweiz gilt in der öffentlichen Wahrnehmung wie in der Politik als Einwanderungsland. Das belegen auch politische Vorstösse, die die Einwanderung begrenzen wollen. So ist die Begrenzungsinitiative der SVP hängig. Sie sollte eigentlich am 17. Mai zur Abstimmung gelangen. Der Termin wurde wegen der Coronapandemie jedoch verschoben. Dabei geht vergessen, dass die Schweiz historisch ein Auswanderungsland war. Getrieben von der Armut zogen in früheren Jahrhunderten viele Schweizer von dannen. Nicht wenige als Söldner in fremde Dienste. Im Spätmittelalter waren Schweizer Krieger auf den Schlachtfeldern Europas gefürchtet – nicht selten schlugen sie sich gegenseitig die Köpfe ein. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann die Einwanderung zu überwiegen. Genau genommen ist die Schweiz immer noch auch ein Auswanderungsland. Ende 2019 lebten 770 871 Schweizer im Ausland, rund ein Drittel mehr als zwanzig Jahre zuvor. Das entspricht gut 10% aller Träger eines Schweizer Passes. Fast zwei Drittel der Auswanderer leben in Europa, knapp ein Viertel in Amerika. Das beliebteste Auswanderungsland ist, mit grossem Abstand, Frankreich, gefolgt von Deutschland. Nicht wenige Schweizer zieht es auch weiter in die Ferne: Auf Rang drei schon folgen die USA und auf Rang fünf Kanada. In den zehn beliebtesten Auswanderungsländern leben drei Viertel aller Auslandschweizer.