Märkte / Aktien

SMI schliesst mit mehr als 9900 Punkten

Die Optimisten hatten am Donnerstag die Oberhand. Zuoberst auf dem Kaufzettel notieren Aktien aus dem Gesundheitsbereich. Der Leitindex legt 2,2% zu.

(AWP/Reuters/RB) Die Schweizer Börse ist nach der verhaltenen Entwicklung der letzten Tage kräftig gestiegen. Der Leitindex SMI (SMI 10253.38 1.26%) zog am Donnerstag mehr als 2% an. Die Anleger setzten darauf, dass die Coronaviruspandemie unter Kontrolle gebracht wurde und die Wirtschaft dank Konjunkturpaketen und Notenbankhilfen rasch wieder in Schwung kommt. Risikofaktoren wie etwa die wachsenden Spannungen zwischen den USA und China wurden weniger stark gewichtet.

Massgeblich zu dem im Börsenvergleich überdurchschnittlichen Plus trugen die in den vergangenen Tagen geschmähten Pharmawerte bei. Die Indexschwergewichte Novartis (NOVN 83.47 1.32%) und Roche (ROG 332.45 1.11%) gewannen je rund 3%. Die Novartis-Gentechniktochter AveXis wird einen experimentellen Coronavirusimpfstoff des US-Krankenhaus- und Ärztenetzwerks Mass General Brigham für klinische Tests produzieren. Roche wird einen Cocktail aus ihrem entzündungshemmenden Medikament Actemra und dem Gilead-Mittel zur Behandlung von Patienten mit schwerer Covid-19-Lungenentzündung testen. Auch die Papiere der Pharmauftragsherstellerin Lonza (LONN 519.6 1.37%) waren gefragt.

Konjunktursensitive Industrie- und Finanzvaloren wie der Personalvermittler Adecco (ADEN 45.74 0.51%), die Grossbank Credit Suisse (CSGN 10.085 2.37%), der Versicherer Zurich Insurance (ZURN 342 1.12%) oder die Luxusgüterhersteller Richemont (CFR 62.42 1.5%) und Swatch Group (UHR 192.3 1.05%) standen ebenfalls in der Gunst der Investoren.

Logitech mit aktionärsfreundlichen Massnahmen

Auch im breiten Markt fielen Werte aus dem Gesundheitsbereich wie Straumann (STMN 869.2 2.72%), Vifor Pharma (VIFN 148.45 2.77%), Sonova (SOON 202.8 5.35%) und BB Biotech (BION 70.15 1.15%) positiv auf. Logitech (LOGN 62.32 2.2%) erhielten Aufwind durch die Ankündigung einer Dividendenerhöhung sowie eines Aktienrückkaufprogramms. Temenos (TEMN 155.25 3.81%) meldete neue Aufträge aus Brasilien.

Bei den Kleineren setzten sich Zwahlen & Mayr (ZWM 195 0%), Perrot Duval (PEDU 117 -1.68%), Medacta (MOVE 76.7 2.4%), CPH (CPHN 68.4 0.29%) und Titlis-Bahnen (TIBN 47.3 0.64%) in Szene. Basilea (BSLN 52.2 1.16%) notierten wenig verändert. Das Biotech-Unternehmen hat am Morgen mitgeteilt, dass es bei den derzeitigen Studien nicht zu einer Verzögerung wegen des Coronavirus komme.

Einbussen mussten unter anderem die Betreiberin von Duty-Free-Shops Dufry (DUFN 28.5 -0.66%), die Jungfraubahnen (JFN 122.4 0.16%) und Industrietitel wie Von Roll (ROL 0.84 -5.62%), Feintool (FTON 46.5 -2.11%), Tornos (TOHN 4.345 0.23%) und Dätwyler (DAE 186.8 0.97%) hinnehmen. Im breiten Markt stand mit GAM (GAM 2.33 1.13%) auch ein Finanzwert im Fokus. Hier wurde am Markt spekuliert, ob der Vermögensverwalter Bantleon seinen Anteil weiter ausbauen könnte, nachdem er gerade erst bei der deutschen LPKF ausgestiegen ist.

Euro klettert gegen 1.07 Fr

An den anderen europäischen Handelsplätzen sah es ähnlich aus wie in der Schweiz. Dax (DAX 12733.45 1.64%), Cac 40, Euro Stoxx 50 (Euro Stoxx 50 3350.03 1.69%) und FTSE 100 legten zu. Die Indizes stiegen allerdings etwas weniger stark. Der Euro verteuerte sich gegenüber dem Franken und kratzte zwischenzeitlich an der Marke von 1.07 Fr. Auch der Dollar legte zu. Er hat zeitweise wieder über 0.97 Fr. notiert.

Gold (Gold 1782.92 0.46%) und Silber (Silber 18.225 0.69%) waren stabil bis leicht steigend. Erdöl der Sorten Brent (Brent 43.12 0.42%) und WTI (WTI 40.9 1.54%) stabilisierte sich nach den Verlusten des Vortages. Belastet wurden die Ölpreise Händlern zufolge durch neue Sorgen um ein Überangebot. So wurde am Markt spekuliert, dass an diesem Donnerstag zum ersten Mal seit drei Wochen ein Anstieg des Rohöllagerbestands gemeldet werden könnte. Es wird sogar der grösste wöchentliche Anstieg in diesem Jahr für möglich gehalten. Auslöser der Spekulationen sind neue Daten des Branchenverbands American Petroleum Institute (API).

China stimmt Hongkong-Gesetz zu

Als Belastung hinzu kommen die politischen Spannungen zwischen den USA und China. Dort hat der Volkskongress dem umstrittenen sogenannten Sicherheitsgesetz für Hongkong zugestimmt. Die Abgeordneten des einmal im Jahr tagenden Parlaments votierten am Donnerstag mit 2878 zu einer Stimme bei sechs Enthaltungen für die Pläne der Regierung in Peking, gegen die in der Sonderverwaltungszone Hongkong bereits mehrfach Tausende Bürger protestiert haben.

Die Demonstranten fürchten den Verlust von Freiheiten, die die ehemalige britische Kronkolonie seit ihrer Rückgabe an China im Jahr 1997 geniesst. Auch international stösst das Vorhaben auf Kritik. US-Präsident Donald Trump hat bereits mit einer harten Reaktion auf das geplante Gesetz gedroht.

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