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Deutsche Bank kehrt in die Gewinnzone zurück

Das deutsche Geldhaus hat sich im dritten Quartal deutlich besser entwickelt als erwartet. Besonders gut läuft das Kapitalmarktgeschäft.

(Reuters) Inmitten der grössten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten reisst die Deutsche Bank das Ruder herum. Dank des Investmentbankings, das das lange Zeit Verluste einfuhr und von Vorstandschef Christian Sewing zurechtgestutzt wurde, verdienten die Frankfurter im Sommer deutlich mehr als erwartet. «Unser fokussiertes Geschäftsmodell zahlt sich aus», sagte Sewing am Mittwoch bei der Präsentation der Quartalsergebnisse. Ein Grossteil der Erträge werde sich als nachhaltig erweisen. Im dritten Quartal stand überraschend ein Nettogewinn von 182 Mio. € zu Buche nach einem Verlust von fast einer Mrd. € im Vorjahreszeitraum. Wegen der Corona-Pandemie bleiben die Aussichten aber ungewiss.

«Wir haben die operative Stärke, um dem Gegenwind zu trotzen, dem sich die Wirtschaft und die Finanzbranche ausgesetzt sehen», schrieb Sewing in einem Brief an die knapp 87’000 Mitarbeiter. Er sei zuversichtlich, im Gesamtjahr ein positives Vorsteuerergebnis zu erreichen. Eine konkrete Prognose traute er sich aber nicht zu, obwohl nach neun Monaten bereits ein Vorsteuergewinn von 846 Mio. € zu Buche stand. Die Ertragszuwächse im Investmentbanking seien zwar zum Grossteil nachhaltig, das Geschäft würde sich aber wieder normalisieren.

In den Sommermonaten profitierten die Frankfurter wie andere Investmentbanken davon, dass Kunden wegen der Corona-Krise einen höheren Finanzierungs- und Beratungsbedarf hatten. An den Börsen gab es mehr Schwankungen. Besonders stark seien die Erträge im Handel mit Anleihen, Währungen und Zinsprodukten gestiegen, erläuterte Sewing. Teilweise habe die Bank von Wettbewerbern Marktanteile zurückerobert. Die Erträge in der Investmentbank kletterten um 43% auf 2,4 Mrd. €. Die britische Bank Barclays (BARC 147.90 +0.89%) und auch US-Rivalen wie JP Morgan und Goldman Sachs (GS 237.11 -0.23%) wuchsen in diesem Geschäft nicht so stark.

«Die Deutsche Bank setzt ihre Strategie um wie ein Uhrwerk. Davor kann man den Hut ziehen», sagte Portfoliomanager Andreas Thomae von der Fondsgesellschaft Deka, ein bedeutender Investor der Deutschen Bank. Auch Fondsmanagerin Alexandra Annecke von Union Investment lobte: «Die breite Aufstellung als Universalbank wirkt in der Corona-Krise bislang stabilisierend.» Allerdings sei der Weg zu auskömmlichen Renditen und attraktiven Ausschüttungen noch weit. Andere Börsianer warnten vor zu viel Euphorie. Der erste wirkliche Gewinn von Marktanteilen im Handelsgeschäft seit dem ersten Halbjahr 2018 sei zwar begrüssenswert, erläuterten die Experten von Credit Suisse (CSGN 11.66 +1.16%). «Allerdings denken wir, dass es verfrüht sein könnte, von einer nachhaltigen Entwicklung auszugehen.» Die DeutscheBank-Aktien legten zeitweise mehr als 2% zu und waren einer der wenigen Gewinner im Dax (DAX 13'252.86 -0.45%).

«Haben vom ersten Lockdown viel gelernt»

Das Investmentbanking war jahrelang der grosse Verlustbringer für die Deutsche Bank, bis Sewing im vergangen Sommer radikal den Rotstift ansetzte und besonders riskante Geschäftsbereiche wie den Aktienhandel dichtmachte. Weltweit fallen wegen des Umbaus 18’000 Jobs weg. Den Fokus liegt nun mehr auf dem Geschäft mit Unternehmen und privaten Kunden. In diesen Sparten kämpft die Bank mit niedrigen Zinsen, einem scharfen Wettbewerb und einer höheren Riskovorsorge für drohende Kreditausfälle. Die Erträge in der Firmenkundenbank gingen im dritten Quartal um 5% zurück, in der Privatkundensparte stagnierten sie. In der Vermögensverwaltung lief es besser als vor einem Jahr. Die Fondstochter DWS warb netto 10,5 Mrd. € ein, gleichzeitig drückte sie die Kosten.

Konzernweit stiegen die Erträge der Deutsche Bank um 13% auf 5,9 Mrd. €, die Kosten fielen um zehn Prozent auf 5,2 Mrd. €. Die Risikovorsorge für faule Kredite legte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als die Hälfte auf 273 Mio. € zu. Im zweiten Quartal war das Niveau aber noch fast drei Mal so hoch gewesen.

Ein zweiter Lockdown in Folge der Corona-Krise sei für die Deutsche Bank verkraftbar, machte Finanzchef James von Moltke deutlich. Das Institut habe im vergangenen Jahr die richtigen Entscheidungen für die Neuausrichtung getroffen und es gebe keinen Anlass, an der Strategie zu zweifeln. Sollte es zu neuen Einschränkungen des öffentlichen Lebens kommen, werde die Bank auch diese Phase managen. «Ich denke, wir haben im zweiten Quartal viel gelernt, und ich hoffe, dass wir in der Lage sind, diese zweite Welle mit dem geringsten Schaden zu überstehen.»

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