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Deutsche Bank nominiert neuen Präsidenten

Alexander Wynaendts soll der Nachfolger von Paul Achleitner als Aufsichtsratsvorsitzender von Deutschlands grösster Bank werden.

(Reuters) Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank ist dem Vorschlag des Nominierungsausschusses für einen neuen Chef des Kontrollgremiums gefolgt. Demnach soll der bislang in der deutschen Finanzszene wenig bekannte Niederländer Alexander Wynaendts dem jetzigen Aufsichtsratsvorsitzenden (Verwaltungsratspräsidenten) Paul Achleitner nachfolgen. «Der Aufsichtsrat ist dieser Empfehlung gefolgt und will den Aktionären auf der Hauptversammlung am 19. Mai 2022 vorschlagen, ihn in das Kontrollgremium zu wählen», schrieb DeutscheBank-Chef Christian Sewing am Sonntag in einer Mail an die Mitarbeiter. Im Anschluss würden die Mitglieder des Aufsichtsrats ihn dann zum Vorsitzenden wählen.

«Mit ihm haben wir einen echten Europäer und Kenner der internationalen Finanzszene für uns gewinnen können,» schrieb Sewing. Er freue sich sehr auf die Zusammenarbeit. Bereits am Freitag hatte Deutschlands grösstes Geldhaus mitgeteilt, dass der Nominierungsausschuss des Aufsichtsrates mit dem 61-Jährigen einen passenden Kandidaten gefunden habe. Achleitners Amtszeit läuft im Mai 2022 nach zehn Jahren an der AR-Spitze aus. Wynaendts war zuletzt von 2008 bis 2020 Chef des niederländischen Versicherers Aegon.

Der Aufsichtsratswechsel fällt in eine Zeit des Umbaus bei der Deutschen Bank. Im Rahmen dieses Prozesses wurden ganze Abteilungen geschlossen, riskante Teile des Investmentbanking abgestossen und umfassende Sparmassnahmen auf den Weg gebracht. Weltweit sollen bis 2022 rund 18’000 Arbeitsplätze wegfallen. Zwei Drittel des Weges habe die Bank bereits hinter sich, hatte Sewing kürzlich erklärt. Das Institut ist inzwischen wieder auf eine stabilen Gewinnkurs zurückgekehrt und meldete zuletzt den fünften Quartalsgewinn in Folge. Das ist die längste Gewinnserie seit 2012.

Wynaendts, der unter anderem Indonesisch, Spanisch, Deutsch, Französisch und Englisch spricht, ist mit Umbauthemen vertraut. So wurden unter seiner Führung bei Aegon zahlreiche Übernahmen eingefädelt, Geschäftsteile verkauft und Partnerschaften geschlossen. Laut dem Finanzdaten-Anbieters Refinitiv war Aegon von 2012 bis 2020 an insgesamt 87 Übernahme- und Fusionstransaktionen beteiligt.

Kritik von Union Investment

Das genossenschaftliche Fondshaus Union Investment äusserte sich skeptisch. Wynaendts Nominierung sei aus Investorensicht eine Überraschung, sagte Janne Werning, Leiter ESG Capital Markets & Stewardship bei Union Investment, dem «Handelsblatt». «Aus seinen bisherigen Stationen ist nicht erkennbar, dass er mit der deutschen Corporate Governance vertraut ist.» Er habe auch nie selbst eine grosse Bank geführt. «Wir hätten uns für einen externen Nachfolger auf jeden Fall eine angemessene Einarbeitungszeit gewünscht.» .

Die Deutsche Bank regelte am Wochenende zudem eine weitere wichtige Personalie. So kommt zum Juni mit Olivier Vigneron ein neuer Risikovorstand. Er soll die Nachfolge von Stuart Lewis antreten, der im März angekündigt hatte, die Bank nach der Hauptversammlung 2022 nach 25 Dienstjahren zu verlassen. Vigneron kommt von der französischen Bank Natixis, wo er aktuell Risikovorstand ist. Weitere berufliche Stationen waren Unicredit, BNP Paribas und JP Morgan.

Die Deutsche Bank ist für Vigneron keine Unbekannte: Von 2002 bis 2005 arbeitete er bei dem Institut im Geschäft mit strukturierten Krediten, wie Sewing erläuterte. Der Aufsichtsrat habe damit die offenen Fragen zum Führungsteam beantwortet. «Diese Klarheit gibt uns weiteren Rückenwind auf dem Weg, unsere Ziele zu erreichen und nachhaltig profitabel zu werden.»

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