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Deutsche Bank soll neuen Geschäftsbereich planen

Das deutsche Institut will einem Medienbericht zufolge seine Investmentbank mit einer neuen Sparte ersetzen.

(Reuters) Vor der für Sonntag erwarteten Aufsichtsratssitzung bei der Deutschen Bank sickern immer mehr Details zum geplanten Konzernumbau durch. Zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten der Nachrichtenagentur Reuters, das Geldhaus wolle die Investmentbank in ihrer bisherigen Form zerschlagen und eine neue Sparte für die Betreuung von Unternehmenskunden schaffen.

Das Investmentbanking solle kräftig schrumpfen und von der bisherigen Unternehmens- und Investmentbank (CIB) abgetrennt werden. Eine neue «Corporate Bank» solle sich um die Unternehmenskunden und viele Firmenkunden, die bislang von der Privat- und Firmenkundenbank betreut werden, kümmern.

Zudem solle die Transaktionsbank, die unter anderem für den weltweiten Zahlungsverkehr zuständig ist, Teil der neuen Sparte sein. Die «Corporate Bank» solle ein eigene Ressort im Vorstand erhalten, sagten die Insider. Darüber hatte zuerst die «Süddeutsche Zeitung» berichtet. Die Deutsche Bank (DBK 6.297 -0.46%) lehnte eine Stellungnahme ab.

Die Neusortierung der Sparten ist nur ein Teil des tiefgreifenden Konzernumbaus, dem Insidern zufolge weltweit 15’000 bis 20’000 Stellen zum Opfer fallen werden – ein Fünftel der Belegschaft von zuletzt rund 91’500 Mitarbeitern. Besonders im kriselnden Investmentbanking werde der Rotstift angesetzt – aber auch an anderen Bereichen dürfte der Umbau nicht spurlos vorbeigehen. So fallen im Zuge der Integration der Postbank in den Deutsche-Bank-Konzern weitere 2000 Stellen weg.

Konzernchef Christian Sewing will mit der Konzentration auf stabilere Geschäfte wie die Transaktionsbank und die Fondstochter DWS den Weg aus der jahrelangen Krise finden. Im Investmentbanking verabschiedet er sich von den Ambitionen seiner Vorgänger. Vor allem in den USA, wo frühere Deutsche-Bank-Chefs mit den großen Wall-Street-Häusern auf Augenhöhe konkurrieren wollten, ist das Institut inzwischen abgeschlagen. Insidern zufolge wird das Institut daher außerhalb Europas seine Aktienhandels- und Zinshandelsgeschäfte deutlich schrumpfen oder sogar komplett schließen. So solle das US-Aktienhandelsgeschäft auf ein Minimum reduziert werden, auch der Handel mit Staatsanleihen soll zusammengestrichen werden.

Teurer Umbau

Der Konzernumbau werde 3 bis 5 Mrd. € kosten, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Dadurch könnte die Bank 2019 erneut in die roten Zahlen rutschen – es wäre das vierte Verlustjahr binnen fünf Jahren.

Um die Aktionäre nicht erneut um frische Mittel bitten zu müssen, wolle die Bank ihr Kapitalpolster abschmelzen lassen und dadurch Geld für den Umbau freisetzen, sagten mehrere Insider. Die Bank wolle sich künftig eine Kernkapitalquote von mindestens 12,5% zum Ziel setzen. Bislang strebt sie eine Kapitalquote von mehr als 13% an. Ende März lag sie mit 13,7% deutlich über den eigenem Ziel und den Vorgaben der Aufseher.

Nicht mehr benötigte oder zu risikoreiche Anlagen oder Finanzinstrumente könnten in einer Abbau-Einheit landen. Diese interne Bad Bank könnte einem Insider zufolge ein Volumen von bis zu 50 Mrd. € haben. Dabei solle es sich vor allem um langlaufende Derivate handeln.

Auch Vorstände zittern

Der Umbau wird auch am Vorstand nicht spurlos vorbeigehen. Investmentbanking-Chef Garth Ritchie und seine für die Einhaltung von Regeln (Compliance) zuständige Kollegin Sylvie Matherat müssten ihren Hut nehmen, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Person. Auch Privatkunden-Chef Frank Strauß müsse um seinen Job zittern.

Zudem sei denkbar, dass Asien-Vorstand Werner Steinmüller, dessen Vertrag im kommenden Jahr ausläuft, vorzeitig ausscheide, sagten mehrere mit den Überlegungen vertraute Personen. Sewing solle im Vorstand die Verantwortung für das geschrumpfte Investmentbanking mitübernehmen. Einer der Insider betonte jedoch, dass bei den Umbaumaßnahmen noch vieles im Fluss sei.

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