Märkte / Makro

Deutsche Börsen-Profis geben sich zuversichtlicher

Die vom ZEW befragten Finanzexperten erwarten eine gute wirtschaftliche Entwicklung. Damit sind sie optimistischer als angenommen.

(Reuters) Deutsche Börsen-Profis bewerten die Aussichten für die deutsche Konjunktur wieder etwas optimistischer. Das Barometer ihrer Erwartungen für die wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten sechs Monaten stieg im August überraschend auf plus 71,5 Punkte von 59,3 Zählern im Juli und erreichte den höchsten Stand seit Anfang 2004, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag unter Berufung auf seine monatliche Umfrage unter 178 Analysten und Anlegern mitteilte. «Die Hoffnung auf eine schnelle Konjunkturbelebung ist wieder grösser geworden», erklärte ZEW-Präsident Achim Wambach, fügte aber hinzu: «Die Lageeinschätzung verbessert sich bisher allerdings nur schleppend.»

Die Daten fielen unerwartet gut aus. Der Euro stieg zum Dollar und auch der Aktienleitindex Dax (DAX 13'313.24 -0.52%) legte weiter zu. Denn Ökonomen hatten für August nur mit 58 Zählern und so mit dem zweiten Rückgang in Folge gerechnet. «Die Anzeichen für eine kräftige Konjunkturerholung im Sommer formieren sich somit weiter», sagte der Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Uwe Burkert. «Es gibt aber auch einen Wermutstropfen.» Die befragten Finanzmarktexperten schätzten die aktuelle konjunkturelle Lage «weiterhin extrem düster ein». Dieses Barometer fiel sogar anders als erwartet um 0,4 auf minus 81,3 Punkte. «Die Gefahr einer Erwartungsblase, ausgelöst durch massive fiskal- und geldpolitische Impulse, welche vor allem die Finanzmärkte beflügeln, ist nicht vom Tisch», warnte Burkert.

Experten sehen starke Dienstleister und schwache Banken

Helaba-Analyst Ralf Umlauf liest aus den ZEW-Daten ebenfalls «Erholungspotenzial der Wirtschaft im dritten Quartal» heraus. Dennoch bleibe die Geld- und Fiskalpolitik wohl noch länger expansiv. ZEW-Chef Wambach betonte, die Experten gingen von einer breiten Erholung vor allem der binnenwirtschaftlichen Branchen aus. Dies betreffe etwa Dienstleister, Telekommunikationsfirmen sowie Konsum und Handel. «Anlass zur Vorsicht geben jedoch die nach wie vor sehr schlechten Ertragserwartungen für die Bankenbranche sowie die Versicherer mit Blick auf das kommende halbe Jahr.»

Die deutsche Wirtschaft war wegen der Corona-Krise im zweiten Quartal mit 10,1 Prozent und somit in Rekordtempo eingebrochen. Fachleute erwarten für die zweite Jahreshälfte wieder spürbares Wachstum. Dennoch dürfte die Wirtschaftsleistung im Gesamtjahr 2020 nach Schätzung der EU-Kommission um 6,3% schrumpfen und damit so stark wie noch nie in der Nachkriegszeit.