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Deutsche Konjunktur macht eine Pause vom Abschwung

In Deutschland hellt sich die jüngst klar pessimistische Stimmung etwas auf. Der Ifo-Index steigt im September leicht.

(Reuters) Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im September nach fünf Rückgängen in Folge leicht verbessert. Der Geschäftsklimaindex stieg auf 94,6 Punkte von 94,3 Zählern im Vormonat, wie das Münchner Ifo-Institut am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter rund 9000 Managern mitteilte. Im August lag das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer noch auf dem niedrigsten Wert seit November 2012. Ökonomen hatten für diesen Monat mit einem geringeren Anstieg auf 94,4 Punkte gerechnet. «Der Abschwung macht eine Pause», sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Führungskräfte beurteilten ihre Geschäftslage günstiger als zuletzt, ihre Aussichten für die kommenden sechs Monate allerdings etwas skeptischer. «Das ist nicht der Beginn einer Trendwende», sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe zu Reuters.

Auch andere Ökonomen warnten vor zuviel Euphorie. LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert sprach zwar von einer positiven Überraschung inmitten vieler schlechter Konjunkturnachrichten. «Viel mehr als ein Silberstreif am Horizont ist das aber noch nicht.» Denn in der Grundtendenz gehe es mit der deutschen Konjunktur derzeit bergab. «Seit Monaten warten wir darauf, dass die grossen internationalen Risiken verschwinden.» Solange dies nicht geschehe, könne man definitiv keine Entwarnung geben.

Der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier sagte, die konjunkturellen Wachstumskräfte hätten nachgelassen. «Aber wir sind nicht in einer Rezession.» Die deutsche Wirtschaft steht allerdings an der Schwelle dazu. Denn das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im Frühjahr um 0,1 %. Geht es im Sommer das zweite Quartal in Folge bergab, gilt dies unter Experten bereits als Rezession, selbst wenn die Wirtschaft danach wieder wachsen sollte. Die Bundesbank hält dies für möglich, sieht darin aber «noch keinen Grund zur Besorgnis». Der exportabhängigen Industrie macht neben dem Ende Oktober anstehenden EU-Austritt Grossbritanniens besonders der von US-Präsident Donald Trump entfachte Handelsstreit zu schaffen. Eine grosse Gefahr sehen Fachleute auch darin, dass die Dienstleister mit in den Abwärtsstrudel gezogen werden. Das würde die noch gut laufende Inlandskonjunktur spürbar bremsen.

Düster sieht es laut Ifo weiter in der Industrie aus. «Im Verarbeitenden Gewerbe kennt das Geschäftsklima nur eine Richtung: abwärts», erklärte Fuest. Die aktuelle Nachfrage und die Produktionspläne signalisierten keine Besserung in den kommenden Monaten. Bei den Dienstleistern hingegen überwog nach einem Rückschlag im August nun wieder die Zuversicht, während sich die Stimmung im Handel erneut eintrübte. Am Bau blickten die Firmen abermals zuversichtlich auf künftige Geschäfte. «Die Unternehmen schätzten ihre Lage immer noch sehr gut ein, aber nicht mehr ganz so gut wie im Vormonat», betonte Fuest.

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