Märkte / Makro

Deutsche Produktion bricht ein

Die deutsche Wirtschaft ist im August ins Stocken geraten. Allein die Industrieproduktion ist fast 5% eingebrochen.

(Reuters) Die deutsche Wirtschaft hat ihre Produktion im August wegen gravierender Materialengpässe unerwartet stark gedrosselt. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 4% weniger her als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag mitteilte. Das ist der stärkste Rückgang seit April 2020, als es wegen des ersten Corona-Lockdowns zu einem heftigen Einbruch von mehr als 18% kam. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang um 0,4% gerechnet, nach einem Wachstum von 1,3% im Juli. Die Produktion liegt damit noch um 9% niedriger als im Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland.

Die Industrieproduktion allein brach im August um 4,7% ein. «Die Lieferengpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten erwiesen sich als gravierender als bislang angenommen», schrieb das Wirtschaftsministerium. Bei der Autoindustrie – deren Produktion mit 17,5% besonders hefig einbrach – dürfte auch eine Rolle gespielt haben, dass bei einigen Herstellern die Betriebsferien dieses Jahr in den August gefallen seien.

«Ein herber Rücksetzer», kommentierte Ökonom Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) die Entwicklung. «Mit den Produktionszahlen ist amtlich, dass der Aufholprozess ins Stocken geraten ist.» Zumal sich zu den Engpässen auch noch hohe Energiepreise gesellten – «ein toxisches Gebräu, das schon leicht nach Stagflation riecht».

Die Betriebe sitzen derzeit zwar auf prall gefüllten Auftragsbüchern, auch wenn das Neugeschäft im August mit fast 8% so stark eingebrochen ist wie seit knapp anderthalb Jahren nicht mehr. Vielfach können die Bestellungen jedoch nicht abgearbeitet werden angesichts akuter Engpässe bei Vorprodukten wie Mikrochips. Fast 80% der Industriebetriebe klagen über Materialmangel. Der Autobauer Opel etwa gab vorige Woche bekannt, er werde wegen fehlender Halbleiter sein Werk in Eisenach mindestens bis zum Jahresende schliessen.

Die Betriebe gehen aber davon aus, künftig wieder mehr herzustellen. Das Barometer für die Produktionserwartungen kletterte im September um zwei auf 29 Punkte, wie das Ifo-Institut bei seiner Firmenumfrage ermittelte. «Die weiterhin guten Produktionsaussichten lassen sich auch auf Nachholeffekte wegen der Corona-Pandemie zurückführen», sagte Ifo-Forscher Klaus Wohlrabe dazu. «Die Auftragsbücher sind weiterhin voll, nur die Materialengpässe bereiten im Moment Probleme und dämpfen die Produktionspläne etwas.»

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