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Deutsche Konjunktur verzeichnet Rückschlag

Deutsche Ökonomen bezeichnen das zweite Quartal als ein Desaster. Im April sind sowohl die Exporte als auch die Produktion so stark eingebrochen wie seit August 2015 nicht mehr.

(Reuters) Die Sorgen um die deutsche Wirtschaft nehmen nach einem desaströsen Frühjahrsauftakt deutlich zu: Sowohl Exporte als auch Produktion brachen im April angesichts von Handelskonflikten und schwacher Weltkonjunktur so stark ein wie seit annähernd vier Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt könnte deshalb im zweiten Quartal schrumpfen, befürchten Ökonomen. «Nach einer Phase der Hochkonjunktur kühlt sich die Wirtschaft in Deutschland gegenwärtig spürbar ab», erklärte die Bundesbank am Freitag. Sie rechnet in diesem Jahr nur noch mit einem Wachstum von 0,6%, nachdem sie im Dezember noch 1,6% vorausgesagt hatte.

Die deutschen Exporte fielen im April um 3,7% niedriger aus als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang von 0,9% gerechnet, nachdem es im März noch ein Wachstum von 1,6% gegeben hatte.

Die Unternehmen drosselten zugleich ihre Produktion: Industrie, Baubranche und Versorger stellten zusammen 1,9% weniger her als im Vormonat, wie aus Daten des Bundeswirtschaftsministeriums hervorgeht. Ökonomen hatten hier nur mit einem Rückgang von 0,4% gerechnet. Angesichts der schlechten Stimmung in den Unternehmen geht das Ministerium «weiterhin von einer gedämpften Industriekonjunktur in den kommenden Monaten» aus.

«Keine ausgeprägte Rezession zu erwarten»

Ökonomen sehen das noch kritischer. «Die Produktions- und Aussenhandelsdaten sind gruselig», sagte DekaBank-Chefökonom Andreas Scheuerle. «Der Start in das zweite Quartal war ein Desaster.» Im ersten Jahresviertel war Europas grösste Volkswirtschaft noch um 0,4% gewachsen, nun droht ein Minus. «Mit einer ausgeprägten Rezession rechnen wir aber weiterhin nicht», betonte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. «Denn die expansive Geldpolitik der EZB stützt weiterhin die Inlandsnachfrage, und im späteren Verlauf des zweiten Halbjahres dürfte sich auch die Auslandsnachfrage wieder etwas beleben.»

Die Europäische Zentralbank hatte am Donnerstag beschlossen, ihren Leitzins bis mindestens Mitte 2020 bei 0% zu belassen, wodurch Kredite für Investitionen und Konsum sehr günstig bleiben dürften. Zudem könnte der April auch deshalb so schwach ausgefallen sein, weil das Osterfest komplett auf diesen Monat fiel und die Feriensaison viele Betriebe ausbremste.

Die Bundesbank geht davon aus, dass die Ausfuhren ab dem zweiten Halbjahr allmählich wieder kräftiger zulegen werden. Dann werde auch die Industrie wieder mehr produzieren. «Sobald die Auslandsnachfrage in Gang kommt, wird das Wachstum der deutschen Wirtschaft wieder auf einem breiteren Fundament stehen», betonte Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Für das kommende Jahr rechnet sein Haus aber nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,2% (bisher: 1,6%). Für 2021 werden 1,3% (1,5%) prognostiziert.

Allerdings bestehen auch enorme Risiken. So hat sich der Handelsstreit zwischen den beiden weltgrössten Volkswirtschaften USA und China seit Mai wieder zugespitzt. Beide Länder sind extrem wichtige Kunden der deutschen Wirtschaft. Kühlt sich die Konjunktur dort durch den Zollstreit ab, bekommen das auch die deutschen Hersteller zu spüren. «Eines wird deutlich: In Zeiten von Handelskrieg ist das wirtschaftliche Risiko für die deutsche exportabhängige Wirtschaft besonders hoch», warnte deshalb der Chefökonom der VP Bank (VPBN 156.8 1.55%), Thomas Gitzel.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet angesichts dieser Gefahren für das laufende Jahr nur noch mit einem Exportzuwachs von 1,2%, nachdem es 2018 noch zu 2% gereicht hatte. «Nur mit wirtschaftspolitischem Rückenwind hierzulande können die deutschen Unternehmen auch die internationalen Herausforderungen meistern», appellierte DIHK-Aussenwirtschaftschef Volker Treier an die Politik. «Sie brauchen den Ausbau unserer Infrastruktur, eine ehrgeizige Unternehmenssteuerreform und Fortschritte beim Bürokratieabbau.»

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