Märkte / Makro

Deutschlands Industrierezession ist noch nicht vorbei

Im Januar ist die Industrieproduktion nochmals gesunken. Umfragewerte deuten auf ein schwaches erstes Quartal hin.

(Reuters/PR) Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im Januar überraschend gedrosselt. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 0,8% weniger her als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Montag mitteilte. Ökonomen hatten einen Anstieg um 0,5% erwartet. Zum Vorjahresmonat schrumpfte die Produktion 3,3%.

Verantwortlich für den Rückgang ist vor allem die Fahrzeugindustrie. Sie drosselte ihre Fertigung im Januar 9,2%. Dazu hätten auch «Produktionsstillstände aufgrund von Modellwechseln sowie Streiks bei Zulieferern und damit erneut Sondereffekte» beigetragen, erklärte das Ministerium.

Gedämpfte Aussichten

Die Entwicklung zeigt, dass die Probleme der deutschen Autobranche noch lange nicht vorbei sind, auch wenn die Bestellungen in den letzten Monaten wieder zugenommen haben.

Angesichts der gesunkenen Produktion im Januar und der schwachen Frühindikatoren ist weiterhin von einer gedämpften Industriekonjunktur auszugehen.

Die Industrie hatte zu Jahresbeginn überraschend einen Auftragseinbruch erlitten. Das Neugeschäft ging im Januar um 2,6% zum Vormonat zurück. Auch die Frühindikatoren deuten nicht auf eine rasche Erholung hin: Der Industrie-PMI für den Monat Februar ist auf ein Mehrjahrestief von 47,6 gefallen.

Bleibt die Industrieproduktion im Februar und März auf dem Januar-Niveau, beträgt das Minus im ersten Quartal gemäss Berechnung von HSBC 0,7%. Bereits im dritten und im vierten Quartal 2018 ist Deutschlands Industrieproduktion geschrumpft.

Es gibt auch Lichtblicke

An den neusten Industriezahlen ist aber nicht alles schlecht. So wurden die Werte für den Monat Dezember deutlich nach oben revidiert. Statt eines Rückgangs um 0,4% verzeichnete die Industrie demnach im letzten Monat des Jahres einen Zuwachs von 0,8%.

Auch die Daten zum Aussenhandel fielen besser aus als erwartet. Die Importe nahmen sogar 1,5% zu und zeugen von einer robusten Binnennachfrage. Für Oliver Rakau, Ökonom bei Oxford Economics, überwiegt das Positive in den jüngsten Daten. Er geht nach wie vor davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 0,5% wachsen wird.

Auch die Ökonomen von Capital Economics erwarten, dass Deutschland nach einem sehr schwachen zweiten Halbjahr 2018 auf den Wachstumspfad zurückkehrt. Viel mehr als 1% BIP-Wachstum dürfte gemäss dem Forschungsinstitut in diesem Jahr aber nicht drinliegen.

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