Märkte / Devisen

Euro rutscht unter 1.08 Fr. – tiefster Stand seit 2017

Der Franken steht unter deutlichem Aufwertungsdruck. Er legt sowohl zum Euro als auch zum Dollar zu.

(AWP) Die Direktoriumsmitglieder der Schweizerischen Nationalbank dürften am Dienstag beim Blick auf den Devisenmarkt wenig Freude haben. Nachdem das Euro/Franken-Paar schon in der vergangenen Woche erstmals seit 2017 wieder unter die Marke von 1.08 gefallen war, sich dann aber aufgerappelt hatte, notiert das Paar am Dienstag so tief wie zuletzt im April 2017 – Tendenz weiter fallend. Am Nachmittag kostet ein Euro 1.0782 Fr. Im Verlauf war er bis auf 1.0759 Fr. gefallen. Auch zum Dollar wertet der Franken am Dienstag auf. Aktuell kostet ein Dollar 0.9706 Fr. Im Tief war er bis auf 0.9668 Fr. zurückgekommen.

Marktteilnehmer nennen für die Bewegungen alle ähnliche Gründe: Die USA. Denn während die USA seit Montagabend China offiziell nicht mehr der Währungsmanipulation beschuldigen, steht nun erneut die Schweiz unter Beobachtung. Die Schweiz war erst im Mai 2019 von der Liste der US-Regierung gestrichen worden, steht nun aber wieder darauf.

Für die Marktteilnehmer heisst die logische Folgerung: Die SNB (SNBN 4870 -0.2%) wird weniger stark am Devisenmarkt intervenieren. «Die Schweizerische Nationalbank sollte sich bewusst sein, dass bei etwaigen Devisenmarktmanipulationen der Verdruss in Washington weiter zunimmt», kommentiert etwa Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank (VPBN 122.4 -1.29%).

«Wie das Räderwerk in Washington läuft, zeigt das Beispiel China. Kaum steht die Unterzeichnung eines Handelsabkommens an, schon wird mit dem Reich der Mitte pfleglicher umgegangen und China wird nicht mehr der der tatsächlichen Währungsmanipulation beschuldigt», so Gitzel weiter.

Tatsächlich machen am Markt Spekulationen die Runde, US-Präsident Donald Trump könnte angesichts des Teilabkommens mit China neue Flanken eröffnen. Mit Europa gebe es bereits verschiedene Streitpunkte wie Subventionen für den Flugzeugbauer Airbus (AIR 65.33 -1.49%) oder die Auto-Importe in die USA.

Wie ein weiterer Händler kommentiert, sei es durchaus möglich, dass der Markt versuche, die Schmerzgrenze der SNB auszuloten. «Eventuell so lang, bis dann eben doch die Zinsenseite thematisiert werden muss», sagte ein Händler.