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Die Aktie im Blickpunkt

Continental kommt unter die Räder.

Eflamm Mordrelle

Nicht nur Autobauer wie Volkswagen (VOW3 127.42 -5.24%), Renault (RNOp 23.79 -2.60%) oder Fiat Chrysler kommen wegen des strukturellen Wandels in der Branche und der Coronakrise unter die Räder. Auch ihre zahlreichen Zulieferer haben zu kämpfen. Die im deutschen Leitindex Dax kotierte Continental (CON 66.50 -3.17%) ist einer der grössten Autozulieferer weltweit. Um dem Abwärtsstrudel entgegenzuwirken, hat das in Hannover beheimatete Unternehmen diese Woche einen umfassenden Sparplan präsentiert – was den Aktien kurzfristig einen Aufwärtsdrall verliehen hat.

Der bereits im September angekündigte Sparplan sieht vor, Standorte in Aachen bis 2021 (Reifen) und Frankfurt bis 2024 (Autoelektronik) zu schliessen und an weiteren Standorten «Strukturanpassungen» vorzunehmen. Weltweit sollen bis zu 30’000 von rund 240’000 Stellen auf der Kippe stehen. Dieser «schmerzhafte Prozess» sei nötig, um wettbewerbs- und zukunftsfähig zu blieben, erklärte Conti-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle, der in der Schweiz mit einem kurzen Intermezzo als Co-Präsident von LafargeHolcim (2016) bekannt wurde.

Das Programm soll auch dank Verlagerungen nach Osteuropa ab 2023 Einsparungen von rund 1 Mrd. € jährlich bringen, kostet über einen Zeitraum von zehn Jahren voraussichtlich aber 1,8 Mrd. €, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Conti-CEO Elmar Degenhardt begründet die Schliessung der Werke mit Überkapazitäten am europäischen Reifenmarkt und der Konkurrenz aus Asien. Auch der Verkauf von Unternehmensteilen sei Teil der Strukturanpassung des Konzerns.

Die Conti-Aktien haben seit Anfang Jahr rund ein Fünftel ihres Werts eingebüsst und die Erholung nach dem Coronaschock Ende März nur teilweise mitgemacht. Damit haben sie ähnlich verloren wie die deutschen Autotitel Volkswagen (–22%) oder BMW (BMW 73.46 -1.42%) (–15%), haben aber deutlich schlechter abgeschnitten als etwa die Papiere des Schweizer Autozulieferers Autoneum (AUTN 90.50 -1.52%) (–2%). Noch schlechter als Continental erging es der italienischen Konkurrenz Pirelli. Die an der Mailänder Börse kotierten Papiere haben seit Januar fast 30% abgegeben.