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Die Aktie im Blickpunkt

Deutsche Bank ist unrühmlicher Spitzenreiter

Alexander Trentin

Es wäre ein Schnäppchen. Gemäss der «SonntagsZeitung» hat UBS-Präsident Axel Weber auch eine Übernahme der Deutschen Bank ins Auge gefasst. Die Marktkapitalisierung des deutschen Wettbewerbers beträgt nun unter 15 Mrd. €, Mitte Februar lag der Börsenwert noch über 20 Mrd. $ – trotz der Spekulationen um das UBS-Interesse ist der Aktienkurs am Montag um mehr als 6% eingebrochen. Grund sind die Berichte zu den FinCEN-Files – Dokumenten des US-Finanzministeriums zu Geldwäscherei-Verdachtsfällen.

Auch andere Banken kommen wegen der Leaks unter Druck: HSBC (5 306.1 1.24%) notieren zeitweise auf dem tiefsten Stand seit 25 Jahren, der Kurs der Commerzbank (CBK 4.436 -1.18%) fällt 4%. Doch die Deutsche Bank (DBK 7.957 0.03%) nimmt eine unrühmliche Spitzenposition in den Dokumenten ein. 62% der Verdachtsmeldungen beziehen sich auf sie. Auch bei der Gesamtsumme liegt sie Bank vorne: Von insgesamt 2 Bio. $ an verdächtigen Transaktionen entfallen 1,3 Bio. $. auf DB.

Zu Fragen des internationalen Journalistenkonsortiums, das die Dokumente ausgewertet hat, wollte sich ein Sprecher der Deutschen Bank nicht im Detail äussern. Es lägen keine neuen Informationen vor, und man sei nun «eine andere Bank» – dabei liegen die letzten Meldungen in den FinCEN-Files gerade einmal vier Jahre zurück.

Die Vorwürfe in den Berichten sind happig. Ein Bankmanager hat gemäss Medienberichten seine Angestellten angewiesen, «Tricks und Cleverness» anzuwenden, um die Kontrolle durch US-Behörden beim Handling von iranischen Kunden zu umgehen. Auch nach 2015 wurden etwa Transaktionen des türkisch-iranischen Goldhändlers Reza ermöglicht – 2017 wurde er in den USA wegen Hilfe gegenüber dem Iran verurteilt.

Das Verhältnis von Kurs zum Buchwert (KBV) liegt für die Deutsche Bank nun unter 0,25 – die Börsenkapitalisierung beträgt gerade einmal ein Viertel des in der Bilanz ausgewiesenen Eigenkapitals. Ein klares Zeichen des Misstrauens vonseiten der Anleger. Zum Vergleich: Das KBV von UBS (UBSG 11.245 1.12%) notiert immerhin zu 0,7.

Auf die im Juli vorgelegten Quartalszahlen haben Analysten negativ reagiert. Barclays (BARC 104.32 1.4%) notierte, dass dem deutschen Riesen Marktanteile im Anleihen- und im Währungsgeschäft wegbrechen – «wir denken, dass dieser Trend anhalten wird». Insgesamt bleibe der Ertrag unter Druck, die Managementziele bis 2022 seien nur «schwer zu erreichen». Der Anleger würden beim jetzigen Kursniveau eine zu gute Performance erwarten.

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