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Valeant-Debakel kostet SNB fast 120 Mio. $

Die Schweizerische Nationalbank investiert zur Diversifizierung ihres Devisenportfolios Milliardenbeträge in US-Aktien. Das bringt auch Risiken mit sich, wie der Kurssturz des Pharmakonzerns Valeant zeigt.

Christoph Gisiger und Philippe Béguelin

Um den Franken zu schwächen, hat die Schweizerische Nationalbank  (SNB) grosse Devisenreserven angehäuft. Diese Mittel investiert sie unter anderem in amerikanische Aktien und muss ihre Positionen der US-Börsenaufsicht SEC quartalsweise melden.

Wie aus den aktuellen Unterlagen hervorgeht, sind die Titel von Apple weiterhin die mit Abstand grösste Position im US-Aktienportfolio der SNB. Per Ende September hat die Nationalbank rund 1140 Mio. $ in die Valoren des IT-Riesen investiert. Verglichen mit dem Stand von Ende Juni ist das Volumen damit ungefähr gleich geblieben. Die Anzahl Apple-Valoren ist jedoch von 9,4 Mio. auf 10,3 Mio. Stück gestiegen.

Quelle: SEC

Neu unter den fünfzehn grössten Positionen im US-Portfolio rangieren Amazon. Per Ende des dritten Quartals umfasst das SNB-Engagement in den Papieren des Onlinehändlers gut 360 Mio. $. Mit Google und Microsoft machen zudem zwei weitere grosse IT-Werte ein bedeutendes Investment der Nationalbank aus. Nicht mehr in die Rangliste geschafft haben es hingegen die Aktien des Ölriesen Chevron.

Quelle: SEC

Insgesamt investiert die SNB in mehr als 2500 kotierte US-Gesellschaften. Das Aktienportfolio umfasste per Ende September fast 39 Mrd. $, was rund 370 Mio. $ mehr als Ende Juni sind.

An einem Titel dürfte die SNB derzeit wenig Freude haben: Die Aktien von Valeant sind seit Ende September rund 46% eingebrochen. Das belastet auch das Portfolio der Nationalbank. Sie sass damals auf über 1,4 Mio. Aktien des Pharmakonglomerats. Die Valoren rangierten sogar noch vor Intel und Wal-Mart Stores unter den fünfundzwanzig grössten Positionen. Gemessen am aktuellen Kurs von 95.41 $ resultiert damit ein happiger Buchverlust von fast 120 Mio. $.

Der Wert des gesamten Fremdwährungsbestands in der Bilanz der SNB stieg im dritten Quartal 7% auf 566 Mrd. Fr. Ursachen dafür sind die Aufwertung von Euro und Dollar gegenüber dem Franken und kleinere Interventionen der SNB am Devisenmarkt.

Die Aufteilung des Devisenbestands hat sich von Ende Juni bis Ende September kaum verändert. Die SNB investiert überwiegend in Euro (42%) und Dollar (33%), dazu kommen der Yen (8%), das Pfund (7%) und weitere Währungen. Dabei hält die Nationalbank zu 71% Staatsanleihen, zu 11% andere Anleihen und zu 18% Aktien.

In Aktien investiert die Nationalbank auf passiver Basis. Sie legt weltweit und indexnah an und hält nach diesem Konzept etwa 6000 Einzeltitel. So werden gemäss Angaben der SNB rund 90% der globalen Marktkapitalisierung abgedeckt. Mit dieser Strategie wollen die Schweizer Währungshüter auf eine breite Diversifikation setzen und sicherstellen, dass die Beteiligung an einzelnen Unternehmen im Rahmen des entsprechenden Referenzindex ausfällt. Die Nationalbank betreibt also kein Stock Picking.

Nur in zwei Punkten behält sich die SNB vor, aktiv in die Aktienallokation einzugreifen. Sie investiert grundsätzlich nicht in mittel- und grosskapitalisierte Banken, zur Vermeidung von Interessenkonflikten. Zudem verzichtet sie seit gut zwei Jahren auch auf Aktien von Unternehmen mit ethisch fragwürdigen Aktivitäten – beispielsweise Rüstungsfirmen. Ansonsten nimmt die SNB keine aktive Titelselektion vor – auch nicht, wenn die Valeant-Aktien einbrechen.

Leser-Kommentare

Edgar Müller 04.11.2015 - 21:49

Dieser Titel des Artikel ist jetzt aber unwürdig für F&W unter 2500 Titeln wird das herausgezogen auf die Titelseite. Vom Blick oder Cash (hatte die gleiche Idee) bin ich mir das gewohnt aber nicht von F&W