Märkte / Anleihen

Die Anleihenhausse rettet sich ins 36. Jahr

Die Langfristzinsen nähern sich wieder den Rekordtiefs. Doch langsam geht dem alternden Bond-Bullen-Markt die Puste aus.

Die Zinswende lässt weiter auf sich warten. Der Anstieg der Langfristzinsen in den Sommermonaten war nur ein Strohfeuer. Seit Tagen erholen sich die Anleihenkurse wieder und die Renditen nähern sich den Rekordtiefs. Der Negativzins der zehnjährigen Schweizer Bundesobligation hat sich auf –0,53% ausgeweitet, die deutschen Pendants rentieren wieder deutlich unter null.

Damit ist die Geburtstagsparty für die alternde Bondhausse gerettet. Sie feiert diese Woche ihr 35-jähriges Bestehen. Am 30. September 1981 erreichten die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen mit 15,8% das Rekordhoch. Seither weist der Trend nach unten.

In der Schweiz rentierten die Zehnjährigen damals ebenfalls stolze 6,2%, sie hatten ihr Allzeithoch jedoch schon im August 1974 erreicht. Die Teuerung betrug ebenfalls mehr als 6%. Die grosse Bondrally setzte hierzulande erst Anfang der Neunzigerjahre ein. Inflationsbereinigt war der Beginn des neuen Jahrtausends die beste Zeit für Bondanleger. Wer die Coupons brav reinvestierte, hat seit 2000 mit langweiligen Eidgenossen real 5,1% pro Jahr verdient, fast 2 Prozentpunkte mehr als mit Schweizer Aktien.

Doch das ist Vergangenheit: Für diese Prognose braucht man nicht von hoher Inflation wie in den Siebzigerjahren auszugehen, auch nicht von einer baldigen Zinswende. Zwar können die Anleihenkurse weiter steigen, ohne richtige Coupons wird die Performance aber mager bleiben. Die Bondhausse kann gut und gerne auch noch vierzig werden, doch die besten Jahre hat sie definitiv hinter sich.