Märkte / Aktien

Die Bären sind los

Weltweit notiert mehr als jede zweite Aktie mindestens 20% unter ihrem Jahreshöchst.

Nur wenige Anleger dürften das Jahr 2018 in guter Erinnerung behalten. Denn kaum eine Anlageklasse vermochte heuer Kursgewinne zu erzielen. Ob Aktien, viele Anleihen, Rohöl, Gold (Gold 1586.03 -3.59%) oder Bitcoin (Bitcoin 8789.43 -5.78%) – sie alle mussten seit Jahresbeginn Verluste einstecken. Sogar der US-Leitindex S&P 500 ist im Dezember ins Minus gerutscht, nachdem er sich zuvor lange dem Abwärtsdruck entziehen konnte. Während die meisten Börsenbarometer Ende Januar ihr Jahreshöchst erklommen hatten, legte der S&P 500 über die Sommermonate zu und erreichte erst Ende September sein Höchst. Seither hat er aber fast 10% eingebüsst.

Wie umfassend die Börsenschwäche inzwischen geworden ist, illustriert ein Blick auf die Einzeltitel: In dem vom Datenanbieter Refinitiv berechneten Weltaktienindex, der insgesamt fast 7300 Valoren aus Industrie- und Schwellenländern umfasst, notieren bereits mehr als 3700 – oder über die Hälfte – mindestens 20% unter dem Jahreshöchst. Damit befinden sie sich nach gängiger Definition in einem Bärenmarkt. Etwa jeder dritte Titel hat 30% oder mehr verloren, rund jeder siebte hat sich um mindestens 40% vergünstigt. Schnäppchenjäger dürften erste attraktive Investitionsgelegenheiten finden.

Einmal mehr stehen die Aktien Europas am stärksten unter Druck. Das zeigt ein Blick auf die einzelnen Länderindizes. So haben in Italien mehr als 70% der Valoren mindestens 20% an Wert verloren. Die Median-Aktie – das ist diejenige Aktie, deren Performance genau in der Mitte liegt – hat rund 29% eingebüsst. 50% der Titel haben also noch schlechter abgeschnitten. Auch in Frankreich (68%), Deutschland (66%) und der Schweiz (54%) dominieren die Papiere, die sich im Bärenmarkt befinden.

Etwas überraschend schneiden die Schwellenländer im Quervergleich erfreulich ab. So ist der Anteil der «Bären-Aktien» in Osteuropa und Lateinamerika deutlich niedriger als in anderen Regionen. Aber auch das Vereinigte Königreich wird – ungeachtet der Brexit-Unruhen – seinem Ruf als defensiver Markt gerecht: Auch dort notieren weniger als 50% der Titel im Bärenmarkt. Obschon die US-Börse seit Jahresanfang nur knapp im Minus notiert, hat die Median-Aktie über 20% eingebüsst. Der Markt wird also weiterhin von den Indexschwergewichten gestützt. Wie lange noch?