Markttechnik / A. Cortés

Die Botschaft des SMIM

Ende Januar 2018 begannen die Börsen eine konjunkturelle Abkühlung vorwegzunehmen. Das setzte vor allem Industrie- und Rohstoffaktien zu. Bis Ende 2018 verlor der MSCI Industrials 18,7% und der MSCI Materials 25,9%. Seither haben sich beide erholt. Industrials notiert noch 7,2% unter dem Stand von Ende Januar 2018, Materials 15,7% darunter. Consumer Discretionary, Consumer Staples, Healthcare, Information Technology, Utilities und Real Estate haben alle ihre Marken von dannzumal erreicht oder deutlich übertroffen.

Der SMI (SMI 9174.39 1.98%) hat im Gegensatz zum SMIM (SMIM 2152.508 0.78%) besser als viele andere Indizes abgeschnitten. Der Grund: Industrials und Materials machen zusammen lediglich 7% der SMI-Kapitalisierung aus. Im SMIM sind es 26%. Dabei haben 18,7% der SMIM-Kapitalisierung besonders hohen Druck auf den SMIM-Kurs ausgeübt. Aus dieser Gruppe übt nur noch eine Quote von 1,07% einen negativen Einfluss auf den SMIM aus.

Damit landen wir nun bei der Geschichte, die ich erzählen möchte, weil sie von Tag zu Tag mehr zu einer globalen Geschichte wird, mit Einfluss nicht nur auf den SMIM, sondern auf den Gang der Börsen vor allem in ganz Europa, den USA, Kanada und Japan.

Konjunktur und Börse

Die Börsen haben die konjunkturelle Abkühlung nicht nur vorweggenommen, als die meisten Ökonomen sie nicht kommen sahen, sondern sie haben auch, wie üblich, daraufhin überreagiert. Seit sich die Konjunkturprognosen immer weiter eintrüben und die effektiven Daten die Prognosen bestätigen, erholen sich immer mehr zyklische Aktien, vor allem solche innovativer Unternehmen. Das geht so weit, dass sie die Pharma- und die Nahrungsmitteltitel vom Sockel stossen. Symptomatisch ist, dass seit Mitte August 2019 mit Ausnahme von Dormakaba (DOKA 421.2 0.33%) alle Industriewerte, die eine Bürde für den SMIM waren, die Perle des SMI, Nestlé (NESN 99.8 2.42%), deutlich übertroffen haben.

Der Blick über das kleine Labor SMIM in die weite Welt zeigt: Es handelt sich um eine sachte einsetzende, aber globale Korrektur der Übertreibungen in Industrie- und Teilen der Rohstoffaktien. Die Folge davon ist eine komplette Konvergenz des Momentums des SMIM mit dem des SMI.

Sanfter Wandel

Das ist kein Plädoyer für einen Grosseinkauf von Industrieaktien. Es ist aber ein Plädoyer dafür, keine Scheu vor ausgewählten Industrievaloren zu haben. Es wird nicht zu einer breit angelegten Hausse in Industrietiteln kommen, genauso wenig wie es eine solche in den besten Sektoren gibt, nicht einmal in IT. Das Narrativ der Börsen weltweit lautet nicht, dass die Umstände grundsätzlich positiv für die Anlagekategorie Aktie seien. Das Narrativ ist nach wie vor Schumpeters schöpferische Zerstörung. Das führt dazu, dass nur knapp die Hälfte der in der Schweiz gehandelten Aktien ein positives technisches Profil aufweist. Das wird dafür sorgen, dass der SMIM den Seitwärtstrend, der durch das 20-Monate-Bollinger-Band dargestellt wird, fortsetzt.

Unterhalb des Index wird es aber zu Veränderungen kommen, die zu einer Verbesserung der relativen Entwicklung bislang schwacher, neu relative Stärke aufbauender Industrieaktien führen, hinter denen innovative Unternehmen stehen. Der SMIM ist der Botschafter einer Entspannung an den Börsen just zu der Zeit, als Warnungen vor negativen Konjunktureinflüssen auf die Aktienkurse zunehmen. Wahrscheinlich bewähren sich wieder einmal die Börsen als die besseren Prognostiker.