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Die Bric – Reloaded

Der Bric-Hype um die Länder Brasilien, Russland, Indien und China ist definitiv vorbei. Das macht die Märkte für Anleger wieder interessant. Die Bewertungen liegen am Boden.

Peter Rohner

Mit dem Aufkleber Bric, dem Akronym für die grössten Wachstumsmärkte Brasilien, Russland, Indien und China, lassen sich heute keine Kunden mehr fangen. Die Bric-Anleger sind enttäuscht: Trotz hohem Wirtschaftswachstum war die Aktienperformance über die vergangenen Jahre unterdurchschnittlich. Das Bric-Kürzel ist zum «Bloody Ridiculous Investment Concept» verkommen, wie SocGén-Stratege Albert Edwards zu sagen pflegte. Eindrücklich zeigen das die Daten zu den Zu- und Abflüssen bei Anlagefonds des US-Fondsdatenanbieters EPFR Global. Am härtesten betroffen sind dezidierte Bric-Fonds. Seit 2010 sind kumuliert 5 Mrd. $ aus Bric-Fonds abgeflossen. Anfang 2011 hat der Exodus angefangen.

Fundflows

Quelle: EPFR Global

Bei Länderfonds ist das Bild sehr ähnlich. Seit Anfang 2011 verabschieden sich Anleger aus Aktienfonds mit dem Label Brasilien, Indien und China. Bei Russlandfonds hat sich der Trend etwas später ins Negative gedreht. Interessantes Detail: Seit Mitte 2012 ziehen China- und Brasilienfonds wieder Gelder an. Anscheindend hat sich herumgesprochen, dass die Aktien dort zum Teil sehr günstig bewertet sind.

Die tiefen Bewertungen werden bei einem Vergleich des aktuellen Kurs-Buch-Werts mit der Vergangenheit sichtbar.

Brasilianische Aktien handeln derzeit 27% unter dem durchschnittlichen Kurs-Buch-Wert über die vergangenen zehn Jahre:
Brazil

Quelle: Société Générale (GLE 16.832 9.97%)

Noch krasser ist der Bewertungsabschlag bei russischen Aktien. Sie werden unter Buchwert gehandelt. Das Verhältnis von Kurs- zu Buchwert  liegt 45% unter dem langjährigen Mittel.
Russland
Quelle: Société Générale

Absolut betrachtet gehört Indien mit einem durschnittlichen Preis-Buch-Wert von 2,5 zu den teureren Emerging Markets. Doch im Vergleich zur Historie  ist auch Indien attraktiv bewertet. Der Bewertungsabschlag beträgt 30%.
Indien
Quelle: Société Générale

Zum Schluss noch China: Die Aktien der Volksrepublik werden zu einem Kurs-Buch-Wert von 1,5 gehandelt, das ist 34% billiger als im Durchschnitt über die letzten zehn Jahre. So sieht das als Grafik aus:
China

Quelle: Société Générale

Wer glaubt, das sei bei Aktien derzeit der Normalfall, der irrt. Die günstige Bewertung gilt vor allem in den Emerging Markets. Im Vergleich zu einem marktgewichteten Aktienkorb aus Industrieländern (mit den USA als grösstem Gewicht) sind Emerging Markets en groupe nun wieder günstig bewertet, wenn man das Verhältnis von Kurs- zum Buchwert zur Hand nimmt.

Dazu wieder eine Grafik der französischen Grossbank Société Générale:

EMall

Doch auch innerhalb der Emerging Markets gibt es Märkte, die derzeit deutlich über Preis-Buch-Wert handeln. Es erstaunt nicht, dass darunter die Aktienmärkte Mexiko und Malaysia sind, die wegen ihrer defensiven Marktstruktur besonders «in» sind.