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Die Bullen verstummen

Mit der Rückkehr der Aktienmarktvolatilität ist der Optimismus der Fondsmanager verschwunden.

Peter Rohner

Die Finanzprofis sind etwas vorsichtiger geworden und haben in den vergangenen Wochen Aktien verkauft. Das geht aus der Fondsmanagerumfrage der US-Grossbank BofA Merrill Lynch hervor.

Die durchschnittliche Bargeldquote in den Portfolios ist von 4,6 auf 5% gestiegen. Die Aktienposition wurde allgemein etwas reduziert. Neu sagen per Saldo noch 29%, dass sie Aktien taktisch höher gewichtet haben. So wenige waren es seit achtzehn Monaten nicht mehr. Noch im März gaben über 40% an, sie seien in Aktien «übergewichtet».

Vor allem Technologie- und Bankaktien fielen aus der Anlegergunst. Auf mehr Interesse stiessen dafür Öl- und Gasaktien. Auf Länderebene haben die Fondsmanager Japan verkauft und dafür die grundsätzlich höchst unbeliebten britischen Dividendenpapiere erworben. Auch Obligationen sind wieder stärker gefragt.

Trotz dieser Rotation sind Technologie und Banken nach wie vor die Sektoren, die am ehesten übergewichtet werden. Per saldo setzen immer noch fast 30% der befragten Fondsmanager auf eine Outperformance von Bankaktien.

Die optimistischen Stimmen sind zwar leiser geworden. Richtig kapituliert haben die Bullen aber noch nicht:  Nur 18% der Fondsmanager glauben, dass der Höhepunkt an den Börsen bereits hinter uns liegt. Rund 40% rechnen damit, dass die Hausse bis 2019 oder noch länger anhält.

Ausserdem erwartet eine hauchdünne Mehrheit nach wie vor, dass sich die Wirtschaft in den nächsten zwölf Monaten stärker entwickelt. Doch der Anteil ist in den letzten Monaten deutlich geschrumpft.

Folglich ist die Zahl derer gesunken, die höhere Unternehmensgewinne erwarten. Per saldo – d. h. abzüglich derer, die fallende Gewinne erwarten – sind es noch 20%.

Sorgen macht den Profis die steigende Verschuldung der Unternehmen. Waren bis vor kurzem die meisten der Ansicht, dass die Unternehmen ihr Cash für Investitionen einsetzen sollten, finden immer mehr, dass die Sanierung der Bilanz die sinnvollere Verwendung wäre.

Per Saldo sind 33% der Meinung, dass die Unternehmen weltweit zu viel Fremdkapital einsetzen (overleveraged). So hoch war dieser Anteil noch nie.

An den Risikoszenarien hat sich gegenüber der Märzumfrage wenig verändert.

Am meisten Bauchschmerzen bereitet den Profis der lodernde Handelskrieg zwischen China und den USA. Fast 40% sehen darin das grösste Risiko.

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