Zum Thema: Das ominöse Schweigen der US-Behörden

Die Credit Suisse als Testfall für andere Banken

Die Gruppe-1-Banken warten auf einen Entscheid aus den USA. Für Julius Bär ist wohl 1 Mrd. Fr. im Kurs enthalten.

Rund ein Dutzend Schweizer Banken befinden sich im US-Steuerstreit in der sogenannten Kategorie 1. Sie sind in den USA bereits in laufende Verfahren involviert. Die grösste unter diesen Banken war bislang Credit Suisse (CSGN 10.025 -0.3%) (CS). Die CS gab ein Schuldgeständnis ab, bekannte sich der Verschwörung gegen die USA schuldig und zeigte sich zur Bezahlung einer Busse von 2,8 Mrd. $ bereit.  Die restlichen Institute warten auf eine rasche Einigung.

Im Fall der CS beanspruchte das US-Justizdepartement DoJ fast 2 Mrd. $. Der Anteil der Strafzahlung belief sich auf 1,33 Mrd. $; fast 200 Mio. $ davon hatte die CS aber bereits im Februar für die Beendigung der Auseinandersetzung mit der Börsenaufsicht SEC bezahlt. Zudem verpflichtet das DoJ die CS, 667 Mio. $ an die Steuerbehörde zu zahlen, als Entschädigung für entgangenen Steuereinnahmen.

22’000 Kunden

Diese Zahl bildet auch den Ausgangspunkt der Begründung der US-Justiz bei der Berechnung der Bussenhöhe: Auf 667 Mio. $ beziffert die Behörde den finanziellen Schaden, den die CS mit ihrem Fehlverhalten verursacht hat. Ausserdem summiert das DoJ sogenannte Schuldigkeitspunkte auf, aus denen sich ein Multiplikator für die Bandbreite der Strafzahlung ableitet. Bei der CS verdoppelt sich dieser Multiplikator aufgrund der Grösse der Bank und des Befunds, dass hochrangige Individuen in die Straftat involviert waren und/oder diese toleriert haben.

Die Busse der CS beträgt (ohne Lizenzaspekt) etwa 2 Mrd. $, das sind rund 50% der maximal vorhandenen unversteuerten US-Vermögen. Diese hätten 4 Mrd. $ betragen, sagte CS-CEO Brady Dougan. Insgesamt wurden gemäss dem Statement of facts 2006 von 22 000 Kunden insgesamt 10 Mrd. $ verwaltet.

Die CS hat die Sache damit bereinigt. Andere Banken sind noch nicht so weit. Sie hoffen auf eine baldige Einigung, allen voran Julius Bär (BAER 40.9 0.47%). CEO Boris Collardi hat  schon mehrmals erklärt, die Bank habe alle notwendigen Daten aufgearbeitet und sei bereit für einen Abschluss. Am Markt wird davon ausgegangen, dass der US-Steuerstreit Julius Bär zwischen 850 Mio.  und 1 Mrd. Fr. kosten wird. Eine solche Summe sollte denn auch im Kurs enthalten sein. Sollte die notwendige Summe diesen Betrag überschreiten, muss mit einer Marktkorrektur gerechnet werden.

Sehnlichst auf einen Abschluss und eine Bereinigung der ganzen Sache wartet auch die Genfer Privatbank Pictet. «Wir sind in Kategorie 1 und überzeugt, dass die bilateralen Diskussionen es Pictet ermöglichen, alle Argumente zu erläutern und somit eine Regelung für die Vergangenheit zu finden», sagte Jacques de Saussure, geschäftsführender Senior-Teilhaber, unlängst der «Finanz und Wirtschaft». Allerdings habe Pictet in dieser Sache keine direkten offiziellen Kontakte mit den US-Behörden. «Wir können deshalb auch überhaupt keine Prognose abgeben, wann diese Sache abgeschlossen oder ausgestanden ist.»

Leumi vor Einigung?

Noch zurückhaltender ist die Zürcher Kantonalbank in dieser Sache. Bekannt ist aufgrund einer internen Untersuchung, dass die ZKB zwischen den Jahren 2000 und 2009 nie mehr als 1,8 Mrd. Fr. Vermögen von US-Offshore-Kunden verwaltete. Im Falle der Basler Kantonalbank waren es 600 Mio. Fr. Das sind im Vergleich zu den 10 Mrd. $ der CS tiefe Summen. Nur: Die Kantonalbanken hatten via Vermögensverwalter wohl noch spät Gelder angenommen, was straferhöhend wirken wird.

Vor einer Einigung mit den USA stehen soll die Bank Leumi. Gemäss der Nachrichtenagentur Bloomberg wird der Vergleich die israelische Bank rund 400 Mio. $ kosten, wovon 270 Mio. $ an das US-Justizministerium und 130 Mio. $ an die New Yorker  Bankenaufsicht DFS gehen. DFS-Chef Benjamin Lawsky soll ursprünglich 300 Mio. $ gefordert haben. Da ein grosser Teil der Verstösse in Los Angeles vorgefallen sei, habe er die Summe jedoch senken müssen.