Unternehmen / Schweiz

Die drei besten VR im Porträt

Swisscom, Lonza und Georg Fischer teilen sich dieses Jahr das Podest. Sie kommen mit unterschiedlichen Ansätzen auf die Spitzenplätze.


1. Platz: Swisscom


Der Telecom-Platzhirsch kann sich ohne grosse Veränderungen im VR an der Spitze halten.

Swisscom (SCMN 479.8 -1.6%) weist wieder ein starkes Ranking-Ergebnis vor. Das hängt auch mit ihrer Eigentümerstruktur zusammen. Die Eidgenossenschaft besitzt 51% des Kapitals der ehemaligen Monopolistin. Der Bund gibt strategische Ziele und finanzielle Leitplanken vor. Als ­Besitzerin einer kritischen Infrastruktur hat Swisscom zudem den Auftrag, die kommunikative Grundversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Deshalb wird sie nicht nur vom Bund überwacht, sie steht auch unter enger Beobachtung der Öffentlichkeit.

Der Charakter eines bundesnahen Betriebs spiegelt sich in der Zusammensetzung des Verwaltungsrats, obschon er im vergangenen Jahr keine personellen Veränderungen erfahren hat. Einerseits nimmt mit Renzo Simoni ein Vertreter des Bundes Einsitz, ande­rerseits ist mit Alain Carrupt auch das Personal mit einem ehemaligen Gewerkschafter vertreten.

Präsidiert wird Swisscom bis 2021 von Hansueli Loosli, einem der erfahrensten Schweizer Manager. Er ist auch als Präsident von Coop bekannt. Sein Stellvertreter ist Telecom-Urgestein Frank Esser, der seine Karriere beim Industrieunternehmen Mannesmann und beim SRF absolvierte. Telecomfachleute hat es wenige im Gremium. Roland Abt ist Finanzexperte und war CFO von Georg Fischer (FI-N 856 0.23%). Barbara Frei ist auf Infrastrukturthemen spezialisiert und amtiert als Europachefin bei Schneider Electric. Sandra Lathion-Zweifel ist Rechts­expertin, Anna Mossberg in Digitalisierungs- und Strategiefragen fit. Michael Rechsteiner kommt wie Frei aus der Elektrotechnik.

Offene Interessenkonflikte sind nicht auszumachen. Einzig die Ämterkumulation Looslis wirft Fragen auf: Neben den Präsidien bei Swisscom und Coop hält er vier weitere VR-Vorsitze bei der Coop-Gruppe sowie ein VR-Mandat beim Schuhhändler Deichmann. (EM)


2. Platz: Lonza


Das oberste Führungsgremium des Pharmaauftragsherstellers besticht durch Kompetenz und Unabhängigkeit.

An der Börse ist Lonza (LONN 567.8 0.21%) nicht zu schlagen. Seit Anfang Jahr haben die Aktien der Pharmaauftragsfertigerin um die Hälfte an Wert zugelegt, mehr als jeder andere Titel im SMI (SMI 10067.13 -0.31%). Das Basler Unternehmen brilliert auch mit der Qualität des Verwaltungsrats. Er ist punkto Alter und Amtsdauer gut durchmischt. Im achtköpfigen Gremium sitzen drei Frauen. Die Silbermedaille hat Lonza aber vor allem mit der Höchstnote in den bedeutendsten Kriterien – Unabhängigkeit der einzelnen Mitglieder, berufliche Kompetenzen – verdient.

Albert M. Baehny, seit zwei Jahren an der Spitze des Verwaltungsrats von Lonza, bringt als Präsident und zuvor langjähriger CEO von Geberit (GEBN 515.4 0.27%) – auf dem guten fünfzehnten Platz gelandet – viel Erfahrung in Kosteneffizienz und Marketing ein. Stellvertreter und Lead Independent Director Christoph Mäder war lange Zeit Chefjurist und Mitglied der Konzernleitung von Syngenta. Die übrigen Mitglieder im Gremium bringen CEO-Erfahrung – wie Jürgen Steinemann von Barry Callebaut (BARN 1899 -0.42%) – sowie Know-how in Fertigungstechnologie, IT, Finanzwesen, Corporate Finance und Medizin mit.

Punkte im Ranking büsst Lonza unter anderem wegen der Drittmandate des Präsidenten ein. Ausser bei Geberit bekleidet Albert M. Baehny eines für die Immobiliengesellschaft Investis (IREN 81.4 -0.25%) – was in der Summe nicht exzessiv erscheint. Null Punkte gab es ausserdem für die Personalunion Präsident und CEO von Lonza. Baehny übernahm im November 2019 auch die operative Führung, nachdem Marc Funk den Konzern nach wenigen Monaten nicht ganz frei­willig verlassen hatte. Wie angekündigt gibt Baehny die operative Verantwortung nach einem Jahr ab, an Pierre-Alain Ruffieux, der von Roche (ROG 315.05 -0.69%) kommt. Die Entflechtung dürfte Lonza im nächsten VR-Ranking schon mal einen Zusatzpunkt bescheren. (AS)


3. Platz: Georg Fischer


Die Schaffhauser Industriegruppe hat einen Podestplatz geradezu abonniert.

Erneut steht Georg Fischer auf einem Podestplatz, das vierte Mal seit 2015. Eine gute Corporate Governance liegt der Industriegruppe ­offensichtlich am Herzen. Operativ ächzt sie derzeit zwar unter den Folgen der Coronapandemie. Grundsätzlich hat sie sich in den vergangenen Jahren, gestützt auf eine gut funktionierende Strategie, aber auch operativ erfreulich entwickelt und eine Stärke erlangt, die es ihr erlaubt, auch solche Krisen gut zu bewältigen.

Der Verwaltungsrat wird seit diesem Jahr von Yves Serra prä­sidiert, von 2008 bis 2019 CEO von Georg Fischer. Er hat Andreas ­Koopmann abgelöst, der nicht mehr kandidierte. Serra zur Seite steht ­Hubert Achermann, als Vizepräsident und Independent Lead Director. Der Rechtsanwalt ist seit 2014 im VR. An der diesjährigen Generalversammlung neu dazugekommen ist Peter Hackel, ­Finanzchef von Straumann (STMN 928.8 0.3%). Er ersetzt Roman Boutellier, der die ­statutarische Alterslimite erreicht hat.

Der VR von Georg Fischer ist in hohem Masse unabhängig. Seine acht Mitglieder sind durchweg nicht exekutiv, haben verschiedene Nationalitäten (Schweiz, Frankreich, Deutschland, China, Brasilien), Werdegänge und Kompetenzen. Mit Blick auf Letztere wird indes eine unzureichende Digitalisierungskompetenz bemängelt.

Mit Eveline Saupper und Jasmin Staiblin ergibt sich ein Frauen­anteil von einem Viertel. Hätten sie eine weitere Kollegin, gäbe es die Maximalpunktzahl. Punkteabzug gibt es erneut auch für die als zu hoch erachtete Anzahl gewährter Drittmandate in den Statuten der Gesellschaft. Allerdings schöpft kein VR-Mitglied die Grenzen voll aus. Ebenfalls Punkte gekostet hat die Gesamtvergütung des Präsidenten. Verbesserungspotenzial besteht zudem in den Informationen zu den einzelnen Sitzungen (Dauer, Teilnahme). (CB)