Märkte / Makro

Die EZB lässt ihre Muskeln spielen

Draghi will alles tun, um den Euro zu erhalten, und sorgte für Euphorie im Markt. Dieser sieht schon die nächste LTRO kommen. Auch für die Banklizenz des ESM scheint die Tür einen Spalt breit offener.

EZB-Präsident Mario Draghi muss nur den Mund auftun, und die Markt-Exegeten ändern ihre Prophezeiungen, die Märkte setzen sich in Bewegung.

An einer Investorenkonferenz in London bekräftigte Mario Draghi, die EZB werde alles Nötige tun, um den Euro zu erhalten. Draghi, der sich der Bedeutung seiner Worte zum jetzigen Zeitpunkt – die Renditen in Spanien haben in den letzten Tagen einen neuen Rekordstand erreicht – in höchstem Masse bewusst sein musste, gab ihnen noch besonderes Gewicht, indem er anfügte: «Und glauben Sie mir, es wird genug sein.»

Und die Märkte glaubten: Die Renditen spanischer zehnjähriger Titel fielen auf 7,24%, nachdem sie vor wenigen Tagen auf ein neues Höchst von 7,69% geklettert waren. Der Euro sprang von 1.2118 auf 1.2267 $/€, der Stoxx Europe 600 legte 1,6% zu.

Draghi erklärte zudem explizit, gegen die steigenden Renditen von Staatsanleihen vorzugehen. Für die Händler in aller Welt war sofort klar: Eine weitere LTRO wird kommen.

Wie weit reicht das EZB-Mandat?

Natürlich betonte der EZB-Chef, die Massnahmen würden mit dem Mandat der EZB übereinstimmen. Doch die Wahl des Zeitpunkts seiner Worte stärkt die Hoffnung, die EZB könnte dieses neu weniger strikt auslegen – auch anderenorts: EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny, der auch der Zentralbank Österreichs vorsteht, hatte am Dienstag vorgeschlagen, den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) mit einer Banklizenz auszustatten, um seine Feuerkraft zu hebeln. Hätte Draghi diese Hypothese strikte ausschliessen wollen, hätte er womöglich vorsichtiger gesprochen.

Entscheidend für die Durchführbarkeit, auch gegenüber der skeptischen Bundesbank, wird die Frage sein, wie weit das Mandat der EZB rein rechtlich dehnbar ist. Im Gegensatz zu dem des Federal Reserve ist es mehr oder weniger auf die Preisstabilität fixiert. Doch die Zeichen verdichten sich, dass die Interpretation nicht in Stein gemeisselt ist. In der italienischen Finanzzeitung «Il Sole 24 Ore» schrieb Lorenzo Bini Smaghi, ehemaliges Direktoriumsmitglied der EZB, Ende Juni, zum Schutz der Stabilität des Finanzsystems könnte die der Preise an Priorität einbüssen.

Die EZB wird von vielen Beobachtern als die einzige Institution mit einer genügen grossen Bilanzsumme angesehen, um kurzfristig schlagkräftige Massnahmen gegen die Krise zu ergreifen. Vieles spricht dafür, dass sie sich gerade für den Showdown rüstet.