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Die Fallstricke einer lockeren Geldmarktpolitik

Brendan Mulhern

Sind die US-Unternehmen überschuldet? Nicht, wenn man Grafik 1 Glauben schenkt. Auf den ersten Blick scheinen die US-Firmen ihre Verbindlichkeiten seit der globalen Finanzkrise von 2008 massiv abgebaut zu haben. Theoretisch sollten die Unternehmensleistungen deshalb nun beträchtlichen Spielraum haben, um an den Kredit- und Anleihenmärkten neues Kapital aufzunehmen, mit dem sie Expansionspläne oder Aktienrückkäufe finanzieren können. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass sie sich um die für dieses Jahr geplanten Zinsanhebungen eigentlich keine allzu grossen Sorgen machen müssen.

Schaut man sich die Zahlen aber einmal genauer an, zeigt sich ein ganz anderes Bild. Für Brendan Mulhern, Head of Strategy bei Newton, sind diese gebündelten Daten problematisch. Zum einen werden sie seiner Ansicht nach von einer kleinen Gruppe sehr grosser Unternehmen, die hohe Barreserven und einen niedrigen Verschuldungsgrad aufweisen, verzerrt. Oftmals handelt es sich dabei nämlich um genau die Unternehmen, deren Aktienkurse während des jüngsten Haussemarktes am kräftigsten angestiegen sind. Aufgrund der schieren Grösse dieser Firmen machen deren Verbindlichkeiten im Vergleich zum Kapital deshalb insgesamt einen wesentlich solideren Eindruck als es tatsächlich der Fall ist. Mulhern erläutert: «Wenn man diese grossen Unternehmen – also die Amazons und Apples dieser Welt – aussen vor lässt, bleibt eine grosse Gruppe von Firmen mit geringen Barreserven und einem hohen Verschuldungsgrad übrig. Allerdings haben diese kleineren und mittelständischen Unternehmen den grössten Effekt auf die Beschäftigungslage sowie auf den Zustand der Wirtschaft insgesamt.»

Ein weiteres Problem bei diesen gebündelten Daten zum Verschuldungsgrad besteht darin, dass diese Zahlen nicht berücksichtigen, in welchem Masse Finanzdienstleister ihre Verbindlichkeiten seit 2008 aufgrund strengerer Anforderungen an die Kapitalausstattung reduziert haben. Dieser Umstand beeinflusst die allgemeinen Zahlen ebenfalls unverhältnismässig stark.

Für Mulhern ist die Verschuldung von Nicht-Finanzunternehmen in Prozent des BIP eine geeignetere Kennzahl, um zu verstehen, ob die Unternehmen überschuldet sind. Er erläutert: «Lassen wir die Finanzdienstleister aussen vor erhalten wir ein wesentlich eindeutigeres Bild davon, wie es um die Verschuldungslage aktuell wirklich steht. Tatsächlich waren die Schuldenkennzahlen der US-Unternehmen noch nie schlechter als jetzt. Der einzige Grund, weshalb sie noch händelbar erscheinen, sind die derzeit so niedrigen Kreditkosten.»

Fallstricke der lockeren Geldmarktpolitik

Und an dieser Stelle zeigen sich die Fallstricke der lockeren Geldmarktpolitik, denn die niedrigen Zinsen und der einfache Zugang zu Mitteln haben die Unternehmen dazu veranlasst, immer mehr Kredite aufzunehmen. Wenn die Zinsen jedoch ansteigen – und davon geht man für den Verlauf dieses Jahres aus – wird dies zu höheren Kreditkosten führen.

Mulhern formuliert es so: «Ein Schuldenabbau auf Unternehmensebene würde das Unternehmer- und Verbrauchervertrauen belasten und die Gefahr einer Rezession erhöhen. Im Prinzip fungiert die derzeit so hohe Verschuldung der Unternehmen als Obergrenze für eine monetäre Verschärfung. Somit droht selbst eine moderate Verschärfung der Geldmarktpolitik bereits eine Rezession auszulösen. Unserer Ansicht nach besteht deshalb eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass der aktuelle Konjunkturzyklus nicht still und leise, sondern mit einem Paukenschlag zu Ende gehen wird.»

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