Meinungen

Die Form stimmt

Prognosen sind das eine. Doch die Gegenwartsbetrachtung darf nicht ausser Acht gelassen werden. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Ein komplettes Bild des Istzustands ist wichtig»

Wer im Aktienmarkt Erfolg haben will, muss Trends richtig antizipieren. Die Kurse spiegeln nur teilweise den aktuellen Formstand der Unternehmen und des Marktumfelds. Sie sind zudem eng an die Erwartungen für die nächsten Monate und Jahre gekoppelt. Genau deshalb reagieren Aktien auf Nachrichten, deren Auswirkungen noch ungewiss sind, mit heftigen, ja oft zu heftigen Kurssprüngen.

Nichts fürchtet der Aktienmarkt mehr als Unsicherheit. Ereignisse wie das Hin und Her im Handelsstreit hinterlassen deshalb deutliche Spuren. So sinnvoll die Analyse von Vorfällen, die Einfluss auf die Entwicklung der Weltwirtschaft haben, auch sein mag, so wichtig ist es, sich ein komplettes und verlässliches Bild des Istzustands zu machen. Ein probates Mittel dazu ist der Blick auf den Einkaufmanagerindex (Purchasing Managers Index, PMI), der die Veränderung der wirtschaftlichen Aktivität misst.

Die Betrachtung des PMI aus 28 Ländern zeigt, dass die Weltwirtschaft in Topform ist und dem Handelsstreit trotzt. Die jüngste der Auswertungen, die «Finanz und Wirtschaft» monatlich vornimmt, belegt, dass die Chefeinkäufer überall zuversichtlich sind, wenn es um Themen wie Auftragseingang, Produktion, Beschäftigung, und Lagerbestand geht. In den USA zahlen sich die Steuersenkungen aus, der Umfragewert in der Schweiz ist hervorragend, und auch in Deutschland, Grossbritannien und Italien, wo man Probleme vermuten würde, ist noch alles im Lot.

Also Entwarnung? Das wäre dann doch zu einfach. Schliesslich handelt es sich beim PMI um eine Momentaufnahme und keine Langfristprognose. Dennoch sollte der Istzustand zumindest den Anlegern, die total verunsichert sind und hinter jeder schlechten Nachricht das Ende des Börsenbooms vermuten, Mut geben.