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Strukturierte Produkte sind günstiger als ETF

Für Tracker-Zertifikate auf Schweizer Aktien weist die Zürcher Kantonalbank die Total Expense Ratio aus. Das ist ein Novum, und die Gebühren sind gering.

Derivatus

Manchmal lohnt es sich, das Klein­gedruckte durchzusehen. Als ich diese Woche die Produktbeschreibung (Term­sheet) für ein Tracker-Zertifikat auf Schweizer Aktien genauer ansah, blieb ich bei der Abkürzung Ter hängen, denn die gehört da eigentlich nicht hin.

Die Total Expense Ratio zeigt die ­jährlichen Kosten, die dem Investor ­belastet werden, wenn er einen Anlagefonds hält: die laufenden Gebühren für die Fondsverwaltung und für die Depotbank. Nicht dazu gehören die Kosten für den Vertrieb der Fondsanteile. Die Ter wird auch für kotierte Fonds (Exchange Traded Funds, ETF) ausgewiesen, nicht aber für strukturierte Produkte.

Sogleich rief ich den Emittenten ­Zürcher Kantonalbank (ZKB) an, um zu fragen, ob sich die Ter von einem Fondsprospekt ins Termsheet verirrt habe. Nein, nein, das sei korrekt, lautete die Antwort, und die Ter sei analog definiert zu derjenigen der Fonds.

Läutet die ZKB einen Paradigmenwechsel ein? Einerseits sind Verwaltungsgebühren für Tracker schon früher ausgewiesen worden. Anderseits wird seit längerem gefordert, Anbieter von strukturierten Produkten sollten die Kosten transparent ausweisen – hitzig diskutiert wird das nicht nur in der Schweiz, sondern beispielsweise auch in Deutschland und Belgien. Investoren und Aufsichtsbehörden wünschen Kostentransparenz, gerade auch mit Blick auf die Ter der Fonds, und Kritiker schimpfen, die Gebühren seien ohnehin viel zu hoch.

Die Branche entgegnet, anders als bei Fonds liessen sich die Kosten für strukturierte Produkte erst am Ende der Laufzeit beziffern. Die Erklärung dafür liegt in den Absicherungskosten: Gibt ein Emittent ein Produkt aus, schliesst er nicht – wie oft vermutet wird – eine Wette mit dem Anleger ab. Er nimmt also nicht die Gegenposition ein, sondern sichert die Marktrisiken so weit wie möglich ab. Sein Verdienst ist die Marge, die ins Produkt eingebaut wird. Wie teuer die Absicherung während der Laufzeit wird und wie viel Marge am Ende bleibt, ist in der Tat erst beim ­Verfall des Produkts klar.

Um die Risiken abzusichern, muss der Emittent gewisse Werte schätzen, da teilweise kein Marktpreis vorhanden ist, etwa die künftige Volatilität des Basiswerts oder die Korrelation gewisser Grössen. Im Höhepunkt der Finanzkrise mussten einige Anbieter Verluste ein­stecken; wegen der Verwerfungen an den Märkten wurde die Absicherung teurer als erwartet.

Völlig im Dunkeln tappen die Emittenten aber natürlich nicht, sie kalkulieren die erwarteten Absicherungskosten. Somit lässt sich eine geschätzte Marge durchaus beziffern. Dazu kommt: Je ­einfacher das Produkt konstruiert und je konventioneller der Basiswert ist, desto genauer sollte die Schätzung sein.

Die Ter des Tracker-Zertifikats, das einen Korb aus Schweizer Aktien eins zu eins abbildet, beträgt 0,18% respektive 18 Basispunkte. Das ist günstig. Zum Vergleich: Der meistgekaufte ETF auf den Swiss Market Index (SMI), den Credit Suisse Group im Januar an iShares/BlackRock verkauft hat, kostet eine Ter von 0,39% und liegt damit knapp unter dem Durchschnitt der ETF auf Schweizer Aktien.

Ich bin beeindruckt; einerseits von der geringen Ter, die zeigt, dass strukturierte Produkte äusserst konkurrenz­fähig sind. Zudem imponiert mir der Entschluss der ZKB in Richtung mehr Transparenz. Die Zürcher Staatsbank wird zum Eisbrecher in der Branche, nicht nur in der Schweiz, sondern meines Wissens auch in Europa. Und ich wünsche mir, dass andere Emittenten dem guten Beispiel folgen.

Leser-Kommentare

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Hans Güdel 15.02.2013 - 19:01

Die ZKB führt in ihrem Nachhaltigkeitsuniversum Tracker Zertifikate mit Wasser, Solar, Mobilität, Ressourcen, etc. alle mit einer TER von 0.9%. Ist das wirklich so günstig wie Sie schreiben? A propos Absicherungskosten: der Solar ist 65% im Minus, was wurde da wohl abgesichert?