Zum Thema: Ausnahmezustand in Omaha

Die Geschichte von Jain und Abel

Der engere Kreis der möglichen Buffett-Nachfolger ist auf zwei Namen geschrumpft.

So rüstig er auch noch ist: Allzu lange dürfte Warren Buffett sein legendäres Investmentvehikel kaum mehr führen können. Die Frage, wer bei einem gesundheitsbedingten Rücktritt oder Ableben des 84-Jährigen auf den Chefposten nachrückt, gewinnt deshalb stetig an Bedeutung. Zwar blieb Buffett bislang klare Aussagen zur Nachfolgeregelung schuldig. Der Ende Februar publizierte Jahresbericht von Berkshire Hathaway (BRK.A 435'721.50 +0.94%) hat den Kandidatenkreis aber weiter eingegrenzt.

Darin schreibt Buffett, dass die neue Führungsperson innerhalb des Unternehmens gefunden werden solle. Ausserdem dürfe der neue CEO noch nicht zu alt sein – wobei «alt» im Kontext von Berkshire Hathaway zu sehen ist. Damit soll die langfristige Kontinuität gewährleistet werden. Auch müsse sein Nachfolger im Stande sein, das ABC des wirtschaftlichen Niedergangs zu vermeiden: Arroganz, Bürokratie und Selbstgefälligkeit («complacency»). Die Liste an Anforderungen hat den Favoritenkreis auf zwei Namen eingedampft: Ajit Jain und Gregory Abel.

Der Favoritenkreis

Der 63-jährige Ajit Jain – Cousin des Deutsche-Bank-Chefs Anshu Jain – ist gegenwärtig für das Rückversicherungsgeschäft verantwortlich. In Indien aufgewachsen, machte Jain zuerst einen Abschluss in Maschinenbau, dem er ein Wirtschaftsstudium an der Elite-Universität Harvard folgen liess. Nach einer Zwischenstation beim Unternehmensberater McKinsey heuerte Jain 1986 bei Berkshire Hathaway an. Der intelligente Schnelldenker ist für überdurchschnittliche Risikofreude bekannt. Und trotz seines beruflichen Erfolgs habe er seinen bodenständigen Charakter bewahrt.

Ähnliche Tugenden werden auch dem 52-jährigen Gregory Abel zugeschrieben. Der Kanadier stiess im Jahr 2000 zu Buffett, als Berkshire Hathaway die im Energiegeschäft tätige MidAmerican Energy Holdings übernahm. Lange arbeitete Abel im Schatten von David Sokol, der einst als aussichtsreichster CEO-Kandidat gehandelt wurde – bis sich Buffett mit Sokol nach einem angeblichen Insidervergehen in der Akquisition von Lubrizol überwarf.

Im persönlichen Umgang gilt Abel als umgänglich, doch hält er sich mit publikumswirksamen Auftritten eher zurück. Gepriesen wird er oft für seine Qualitäten in der Abwicklung von Übernahmen. So ist MidAmerican Energy – inzwischen unter dem Namen Berkshire Hathaway Energy aktiv – auch dank diverser Akquisitionen zu einem der grössten Stromproduzenten und -verteiler der USA aufgestiegen.

Der Verlierer

Wohl aus dem Rennen ausgeschieden ist dagegen Matthew Rose. In der Vergangenheit war der Executive Chairman der Eisenbahn Burlington Northern Santa Fe (BNSF) öfters von Buffett gelobt worden. Ein schwieriges Geschäftsjahr hat seine Nachfolgechancen nun aber praktisch zunichte gemacht. So übte Buffett im  jüngsten Aktionärsbrief offene Kritik an BNSF und den Serviceverzögerungen, die viele Kunden massiv enttäuscht hätten. Der Name Rose tauchte denn auch prompt nicht mehr auf.

Auch unter dem neuen CEO dürfte das Anlagegeschäft – also das Management von Aktienbeteiligungen wie Coca-Cola (KO 54.45 +0.18%) – verstärkt in die Verantwortung der Investmentmanager übergehen. Wichtigste Figuren sind hier Todd Combs und Ted Weschler, deren Leistung regelmässig in den höchsten Tönen gelobt wird. Quasi als «learning on the job» sollen die ehemaligen Hedge-Fund-Manager dabei an die operative Geschäftsleitung herangeführt werden und künftig kleinere Verwaltungsratsmandate übernehmen.

Weitere Artikel zu: 50 Jahre Berkshire Hathaway