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Die Gewinner der Swiss FinTech Awards

Die Start-ups Legartis und Instimatch Global werden als beste Schweizer Fintech-Lösungen ausgezeichnet. Der Inkubator F10 ist der Influencer of the Year.

Valentin Ade

Zum fünften Mal sind die Swiss FinTech Awards verliehen worden. In der ­Kategorie Early Stage, für Fintech-Unternehmen, deren Produkte sich noch in der Entwicklung befinden, setzte sich Legartis gegen Aidonic durch. Dieser Preis ist mit 30’000 Fr. dotiert. In der Kategorie Growth Stage, für Gesellschaften, die bereits auf Wachstumskurs am Markt agieren, gewann Instimatch Global vor Securosys.

In der dritten Kategorie, Fintech Influencer of the Year, für eine Person oder eine Institution, die die Fintech-Szene im vergangenen Jahr positiv geprägt hat, wurde der Fintech-Incubator F10 ausgezeichnet. Die Awards wurden von einer Jury aus Investoren, Unternehmen, Forschern, Finanz- und Fintech-Experten vergeben. Die Organisation lag beim Finanz und Wirtschaft Forum.

Mit künstlicher Intelligenz zum Wesentlichen

Legartis entwickelt eine Softwarelösung, um rechtliche Dokumente in wenigen Sekunden zu klassifizieren, inhaltlich zu verstehen und vertragsrelevante Datenpunkte zu extrahieren. «40% der Zeit, die man benötigt, um Verträge zu bearbeiten, wird durch repetitive Arbeit nicht wertvermehrend eingesetzt», sagt CEO David Alain Bloch. Nicht zuletzt in der Finanzindustrie hat wegen der verschärften Regulierungen der Aufwand markant zugenommen.

Das Start-up, das Bloch zusammen mit Marc von Samson-Himmelstjerna gegründet hat, bietet für dieses Problem eine Anwendung, basierend auf künstlicher Intelligenz. «Sie erlaubt es dem Nutzer, direkt zum relevanten Teil eines rechtlichen Dokuments vorzustossen», sagt Patrick Hunger, der aus der Bankenwelt stammt und heute bei Legartis für das Produkt verantwortlich ist.

Innert zweieinhalb Jahren hat das Start-up mehrere Kunden in der Schweiz und Deutschland gewinnen können. Als Partner fungieren grosse Anwaltskanzleien in beiden Ländern. Das US-Magazin «Forbes» zählt Legartis zu den besten dreissig Start-ups der künstlichen Intelligenz im deutschsprachigen Raum. Jetzt will das 22-köpfige Team, domiziliert in Zürich und Lissabon, seine Technologie zusammen mit den Kunden weiterentwickeln und weiter bekannt machen.

Die Jury sagt: Angesichts der zunehmenden Regulierung ist dieses Angebot für die Finanzbranche sehr vielversprechend und könnte zu erheblichen Effizienzgewinnen in den Rechtsabteilungen aller Finanzinstitute und anderer Branchen führen.

Besserer Durchblick für kurzfristige Liquidität

Instimatch Global ist eine führende Plattform für Geldmarktprodukte. Das Ziel ist, kurzfristige Liquidität effizienter zwischen institutionellen Schuldnern und Gläubigern zirkulieren zu lassen. «Das Schöne an unserem Tool ist nicht nur die Transparenz, sondern die Vielzahl an Gegenparteien, mit denen die meisten Treasurer nie zuvor interagiert haben», sagt Daniel Sandmeier, CEO von Instimatch Global.

Die Plattform, die von Hugh Macmillen gegründet wurde, ist ein Treffpunkt für Treasury-Abteilungen, die mit dem Liquiditätsmanagement von Unternehmen beauftragt sind, und zwar über Branchen-, Währungs- und Landesgrenzen hinaus. Bisher wurde laut Sandmeier ein Volumen im einstelligen Milliardenbereich vermittelt.

Das Wachstum sei dabei stark. Das zeigt sich auch daran, dass Instimatch bereits in fünfzehn Ländern mit rund hundert institutionellen Kunden aktiv ist. 2018 sei man noch mit zwanzig Kunden in der Schweiz gestartet. Derzeit expandiert das Start-up in den Nahen Osten. Hongkong und Singapur sollen folgen. Auf der Technologieseite schmiedet die Gesellschaft zurzeit Partnerschaften mit Treasury-Management-Systemen, «die es uns erlauben, unser Geschäft noch schneller auszubauen», sagt Sandmeier.

Die Wirren rund um die drastischen Massnahmen zur Eindämmung der Coronaviruspandemie haben zwar zu einer Verlangsamung der Aktivitäten auf der Plattform geführt. Doch Sandmeier ist überzeugt: Der Bedarf nach kurzfristiger Liquidität wird nach einer Phase der Unsicherheit wieder ansteigen und Instimatch wird hier seine wichtige Aufgabe als Vermittler wahrnehmen.

Die Jury sagt: Die Plattform erhöht die Transparenz und die Anzahl der verfügbaren Gegenparteien für Treasurer erheblich. Damit bietet sie entscheidende Innovationen in einem wichtigen Teil der Finanzierung, der bis heute auf meist sehr altmodischen bzw. ineffizienten Prozessen wie Telefongesprächen, E-Mails und Chat-Konversationen beruht. Mit ihrem Angebot befindet sich Instimatch auf einem beeindruckenden globalen Expansions- und Wachstumskurs.

Ein Ort für Fintech-Innovation

Der diesjährige FinTech Influencer of the Year ist der F10 FinTech Icubator & Accelerator. 2015 wurde F10 von der Börsenbetreiberin SIX ins Leben gerufen. Seitdem haben zahlreiche Start-ups der Bereiche FinTech, RegTech und InsurTech die Programme des F10 in der Schweiz durchlaufen und sind erfolgreich weiter gewachsen. Neu startet der Incubator nun auch in Singapur.

F10, dessen Namen von seiner Zürcher Adresse an der Förrlibuckstrasse 10 herrührt, bringt die Jungunternehmen dabei auch in Kontakt mit einem breiten Netzwerk aus etablierten Playern der Finanzindustrie. Die Jury meint: Die Auszeichnung geht an F10, aufgrund seines lang anhaltenden und umfassenden Beitrags zur Fintech-Innovation in der Schweiz und seiner jüngsten Expansion nach Singapur.

Die Preisverleihung an der Swiss FinTech Awards Night und die dazugehörige Fintech-Konferenz wurden aufgrund der aktuellen ausserordentlichen Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus vom 12. März auf den 31. August dieses Jahres verschoben. Alle Keynote-Speaker und Panelisten haben bereits ihre Zusage für das Nachholdatum gegeben. In den kommenden Wochen werden die Organisatorinnen ihre Website diesbezüglich laufend aktualisieren.