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Die grosse Rück-Umschichtung

The Great Rotation – die Umschichtung von renditeschwachen Anleihen in hochfliegende Aktien – wurde im Januar zu Great Unrotation.

Peter Rohner

Anfang dieses Jahres hörte man praktisch nur optimistische Investoren. Die Stimmung konnte kaum besser sein, die grosse Umschichtung von kaum mehr rentierenden Anleihen in gewinnversprechende Aktien war in vollem Gange. Die Gelder flossen seit Monaten aus Anleihenfonds ab, Aktienfonds und ETF erfreuten sich Woche für Woche eines massiven Zuflusses.

Doch die Schwellenländerkrise und die enttäuschenden US-Konjunkturzahlen stellten die heile Welt auf den Kopf. In den letzten Wochen zogen Anleger Gelder aus Aktienfonds ab. Es war der grösste Exodus seit 2011, wie diese Grafik zeigt:

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Quelle: Bank of America (BAC 29.02 +0.48%) Merrill Lynch

Die Verkaufswelle bekamen auch die kotierten passiven Anlagefonds zu spüren: Im Januar sind per saldo 10,8 Mrd. $ aus Aktien-ETF abgeflossen, wie der Bericht von BlackRock (BLK 717.54 +0.39%) bestätigt.

Am härtesten traf es allgemeine US-ETF, sie haben im Januar 12 Mrd. $ verloren (in der Grafik unten dunkelblau). Im Gegensatz dazu konnten europäische ETF erneut Gelder anziehen. Mit 4 Mrd. $ betrug der monatliche Nettozufluss sogar mehr als in den Monaten November und Dezember. Die guten Einkaufsmanagerindizes haben die Anleger überzeugt.

Japanische ETF verzeichneten mit 4 Mrd. $ ebenfalls einen stattlichen Zufluss, 1,2 Mrd. $ davon kamen laut BlackRock aber aus dem Stimulusprogramm der Bank of Japan. Dennoch hat der Nikkei 225 (Nikkei 225 26'809.37 +0.03%) im Januar mehr als 8% abgegeben. Wenig erstaunlich ist der Abfluss aus Schwellenländerprodukten, er belief sich auf 10 Mrd. $. Dies war der höchste bislang verzeichnete Nettomittelabfluss aus Emerging Markets ETP.

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Quelle: BlackRock ETP Landscape

So einen schlechten Jahresstart erwischten Aktien-ETF zuletzt 2010.Ein kleiner Trost: Damals summierten sich die kumulierten Zuflüsse bis Ende Jahr auf 120 Mrd. $.