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Die heimlichen Pandemie-Profiteure

Ihnen fehlt die Grösse der Tech-Kolosse aus dem Silicon Valley. Auch haben sie kaum solch treue Fans wie Tesla. Zu den Gewinnern der Pandemie gehören sie aber allemal.

Sie heissen weder Amazon, Moderna noch Zoom. Es sind keine Tech-Kolosse, Impfstoffproduzenten oder Softwarehersteller, die davon profitieren, dass viele Büroangestellte seit bald einem Jahr von zu Hause arbeiten. Auch wurde ihr Kurs nicht in Internetforen hochgejubelt wie derjenige von GameStop. Und doch gehören sie zu den Gewinnern der Coronaviruspandemie. 

Sie verkaufen so unterschiedliche Produkte wie Tacos, Küchenutensilien oder Düngemittel. Eins aber haben sie gemein: Seit dem Beginn der Krise haben sie nicht nur den breiten Aktienmarkt gemessen am S&P 500 hinter sich gelassen, sondern konnten im vergangenen Jahr sowohl den Umsatz als auch den Gewinn steigern. Das ist eine Auswahl.

Von Tacos…

Für Chipotle Mexican Grill hatte die Pandemie einschneidende Konsequenzen. Mit 2751 Filialen in den USA gehört das kalifornische Unternehmen zu den grossen Restaurantketten im Land. Viele der Lokale mussten wegen der Pandemie geschlossen werden. Dennoch sank der Umsatz im zweiten Quartal gerade einmal 5% – der Verlagerung auf digitale Verkaufskanäle sei Dank.

Für Barclays-Analyst Jeffrey Bernstein war Chipotle der «klare Überflieger» unter den Restaurantbetreibern, wie er schreibt. Gerechtfertigt sei deswegen auch der Aufpreis im Branchenvergleich, der sich im Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 62 für 2021 zeige. Die stolze Bewertung spiegelt viel Optimismus für das künftige Wachstum. 

Das starke Abschneiden im vergangenen Jahr hat laut den Analysten der Bank of America aber auch einen Nachteil, dürfte Chipotle verglichen mit der Konkurrenz doch weniger von den weiteren wirtschaftlichen Lockerungen profitieren. 

…und Bier…

Weder die Verschiebung der Fussball-Europameisterschaft noch die Schliessung von Pubs, Bars und Restaurants hatte auf das finanzielle Ergebnis von Boston Beer einen spürbaren Effekt. 2020 stieg der Umsatz gegenüber der Vorjahresperiode Quartal für Quartal. Unter dem Strich resultierte im Gesamtjahr eine Steigerung von 75%.

Der Bierbrauer von der amerikanischen Ostküste, dessen Hauptprodukt mit Samuel Adams einen US-Revolutionär huldigt, hat zuletzt auch davon profitiert, Alternativen zu Bier im Angebot zu haben. Dazu zählen Getränke wie Twisted Tea und Truly Hard Seltzer.

…im Garten…

Von der Verschiebung des Lebens aus dem öffentlichen in den privaten Raum profitieren Williams-Sonoma und die Tractor Supply Company. Der Einzelhändler Williams-Sonoma hat unter anderem Küchenutensilien im Sortiment. Unter Pottery-Barn vertreibt er auch Möbel und Einrichtungsgegenstände.

Tractor Supply ist laut Barclays-Analystin Karen Short «eine der wenigen Wachstumsgeschichten im Einzelhandel». Die Kette, die primär in ländlichen Regionen präsent ist, zählt unterdessen 1844 Filialen in 49 Staaten, Tendenz steigend.

Das Unternehmen ist vielerorts die wichtigste Anlaufstelle für landwirtschaftliche Produkte. Mit Kategorien wie Haustier- und Gartenprodukte setzt es aber auch auf Kunden, die ihre Arbeitszeit im (Home) Office verbringen.

…und auf der Veranda

Dank Produkten für den heimischen Garten wie Pflanzensamen und Düngemitteln sah auch Scotts Miracle-Gro Company im vergangenen Jahr ein herausragendes Wachstum. Zudem dürfte sie gemäss dem Berenberg-Analysten Alex Maroccia von der voranschreitenden Legalisierung des Cannabiskonsums profitieren. Mit Hawthorne hat Scotts eine Produktlinie lanciert, die sich auf den Cannabisanbau fokussiert.

Einen Boom erlebt derzeit die Bauindustrie. Davon profitiert Trex. Sie ist führend im Verkauf von Holzprodukten für den Bau von Veranden und Terrassen. Trotz des bereits zweistelligen Umsatzwachstums rechnet Barclays-Analyst Matthew Bouley mit einer weiteren Beschleunigung. Angesichts der hohen Bewertung ist das Pflicht. Auf dem starken Vorjahr kann sich das Unternehmen nicht ausruhen. Das gilt auch für die anderen Gewinner.

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