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Die Hypi Lenzburg hat ein Hypothekarproblem

Analyse | Sinkende Zinserträge und stagnierende Volumen belasten die Bank im ersten Semester. Die Hoffnungen ruhen auf der Digitalstrategie.

Die Hypothekarbank Lenzburg (HBLN 4480 0.45%) hat am Mittwoch als erste Retailbank den Zahlenreigen zum ersten Halbjahr eröffnet. Unter dem Strich konnte die Hypi leicht wachsen. Beim Ertrag verzeichnete sie gegenüber dem Vorjahr ein kleines Plus von 0,9% auf 39,6 Mio. Fr., der Gewinn stieg um 0,8% auf 9,9 Mio. Fr.

Die positive Entwicklung per saldo darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bank in ihrem Kerngeschäft leidet. Im Hypothekargeschäft, das mit stolzen 70% zum Ertrag beiträgt, fielen die Zinserträge klar schlechter aus. Auch der sinkende Zinsaufwand konnte die Ausfälle nicht kompensieren.

Rückläufige Margen

Gleichzeitig stehen die Vorzeichen für künftiges Potenzial schlecht. Das Wachstum im Hypothekarvolumen, über das Retailbanken die rückläufigen Zinsmargen auszugleichen suchen, hat sich bis fast zum Stillstand verlangsamt. Betrug es in den ersten Semestern der beiden Vorjahre noch zwischen 2 und 3%, resultierte 2019 lediglich ein Plus von 0,6%. Für das zweite Semester werden ein weiterhin schwieriges Zinsumfeld und rückläufige Margen erwartet.

Um die Erträge stabil zu halten, setzt die Hypi vermehrt auf zinsunabhängige Einnahmen. Im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft scheint das zu gelingen. Das Segment steuerte 6,9 Mio. Fr. zu den Erträgen bei – ein Plus von 10,4%. Weniger rosig fällt das Fazit beim Handelsgeschäft aus. Nachdem der Geschäftsbereich schon im letzten Jahr um ein gutes Drittel einbrach, sank der Ertrag im ersten Halbjahr erneut 18,1%. Der ohnehin schon kleine Handel verliert damit zunehmend an Bedeutung.

Eine Tragödie ist diese Entwicklung nicht. Mit Blick auf die Marktrisiken ist die Hypi gut beraten, sich auch weiterhin auf ihre Kernkompetenz Hypotheken zu konzentrieren und die volatilen Handelsgeschäfte klein zu halten. Stabilität verspricht ausserdem der geplante Ausbau ihrer Position als digitale Finanzdienstleisterin.

Wachstum mit Digitalgeschäft

Für ihr eigenes Kernbankensystem Finstar gewinnt die Hypi fleissig Abnehmer.  Seit November vergangenen Jahres gehören dazu die Smartphone-Bank Neon und das Fintech Sonect. Ihren Kunden ermöglicht Finstar Bargeldbezüge in rund 1000 Läden, Bars und Restaurants. Gemessen am Ertrag ist das IT-Geschäft der Hypi inzwischen zum drittgrössten Standbein angewachsen. Im ersten Semester lag er mit 3,4 Mio. Fr. 29% höher als im Vorjahr.

Der Fokus auf den digitalen Vertrieb schlägt sich auch im Geschäftsaufwand nieder. Um die digitale Transformation zu forcieren, hat die Bank ihren Personalbestand ausgebaut. Gleichzeitig stärkt sie mit der für Herbst angekündigten Eröffnung einer Geschäftsstelle in Wohlen auch ihre physische Präsenz.

Gelingt der Hypi der Spagat zwischen der für das Zinsgeschäft wichtigen Offline-Bank und einem prägenden Akteur der Banken-Digitalisierung, besteht trotz des schwierigen Umfelds Grund zu Optimismus. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,7, basierend auf der Gewinnschätzung für 2019, sind die Aktien nicht teuer. Allerdings bleiben sie für Anleger aufgrund ihrer tiefen Handelsvolumen eher uninteressant.

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