Meinungen

Die Italo-Trumps und der Euro

Der Euro bleibt aus strukturellen Gründen anfällig für Schwächeattacken. Ein Kommentar des stellvertretenden Chefredaktors Clifford Padevit.

«In der jetzigen Form ist der Euro als Währung unvollendet.»

Mit der Einsetzung einer neuen Regierung in Italien haben sich die Marktteilnehmer etwas beruhigt. Der Zinsaufschlag auf italienischen Anleihen im Vergleich zu deutschen ist gesunken. Allerdings sind die Aufschläge immer noch weit grösser als vor einem Monat. Richtig, denn im südlichen Nachbarland der Schweiz ist eine Koalition aus Populisten und Rechtsnationalisten an der Macht, die beide weder die EU noch den Euro mögen, vor allem wegen der Budgetdisziplin, die damit verbunden ist. Sie werden jede Möglichkeit nutzen, das EU-Establishment zu provozieren, quasi als Italo-Trumps.

Bei dieser Ausgangslage kann die Angst um den Euro jederzeit wieder eskalieren. Denn die Währungsunion hat Konstruktionsfehler. Sie haben sich spätestens während der Krise um Griechenland offen gezeigt. Es wurde zwar seither etwas am Gebälk gefeilt – es gibt mittlerweile einen Rettungsschirm, und eine Bankenunion ist in Vorbereitung –, aber das reicht nicht.

Die Zentrifugalkräfte im Euro werden sich nicht einfach eindämmen lassen. Denn es fehlt ein Fiskaltransfer, mithilfe dessen wirtschaftliche Unterschiede ausgeglichen werden. So ist jede Nation auf sich selbst gestellt. Eine Währungsabwertung ist auch keine Option, denn die Europäische Zentralbank sorgt sich um das Ganze. Deutschland umgekehrt ist Exportweltmeister, weil der Euro seit der Krise so schwach war.

Der Euro ist und bleibt ein politisches Konstrukt – sonst wären weder Italien noch Griechenland Mitglieder. Darum sind die Warnungen vor einem Auseinanderbrechen verfrüht. In der jetzigen Form aber ist der Euro als Währung unvollendet und anfällig für Schwächeattacken. Sehr zum Leid der Schweiz und ihres Frankens.