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Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Vorsorge
Zum Thema: Die Vorsorgelücke selbst auffüllen

Die klügere Art der Festlegung von Pensionsrenten

Peter Diethelm
Die Renten werden ergiebiger, wenn kalkulierte Bezugsdauer und Anlageertrag in separaten Komponenten abgebildet werden.

Die zunehmende Lebenserwartung und die tiefen Kapitalerträge der Pensionskassen setzen der finanziellen Altersvorsorge arg zu. Das Kernproblem der bisher diskutierten Lösungsansätze ist ihre Starrheit. Mit der Senkung des Umwandlungssatzes schrumpfen die Renten der Neupensionierten und bleiben für sie ihr ganzes weiteres Leben lang tief. Das ist ein wesentlicher Nachteil des bundesrätlichen Reformvorhabens Altersvorsorge 2020 und für die betroffenen Menschen unzumutbar. Aber es gibt eine Alternative.

In der aktuellen Diskussion wird der Umwandlungssatz als sichere Grösse angesehen, obwohl in ihm eine unsichere Komponente steckt: die Schätzung der Kapitalerträge der nächsten 20 bis 30 Jahre. Spätere Korrekturen der Schätzfehler haben keinen Einfluss auf die laufenden Renten. Sie bleiben, wie sie sind.

Werden aber die Auswirkung der Lebenserwartung auf den Umwandlungssatz und der Einfluss der Kapitalerträge gesondert behandelt, kann die Starrheit überwunden werden. Für einen entflochtenen Umwandlungssatz wird die Lebenserwartung wie bisher geschätzt, während eine Prognose des Kapitalertrags entfällt. An die Stelle unsicherer Vermutungen treten die effektiv erzielten Anlageerträge. Sie sind ein zusätzlicher Rentenzahler und würden für die Verbesserung der laufenden Renten eingesetzt.

Die Idee ist griffig. Mit der Entflechtung des Umwandlungssatzes würden Neupensionierte zwei Rentenkomponenten erhalten. Nach aktuellen Statistiken werden 65-jährige Männer weitere rund zwanzig Jahre leben, Frauen gut einundzwanzig Jahre. Ausgehend von der durchschnittlichen Rentenbezugsdauer von 20,5 Jahren errechnet sich ein Basis-Renten-Umwandlungssatz von 4,9%.

Die ergänzende zweite Komponente hängt von den künftig erzielten Investmenterträgen ab. Gegenwärtig kann die Renditeerwartung eines mit Aktien, Immobilien und Obligationen bestückten Portefeuilles vorsichtigerweise auf etwa 2% angesetzt werden. Ausgehend vom durchschnittlichen Rentenkapital lässt sich derzeit realistischerweise eine Ertragsrente von 20 bis 25% des Basis-Renten-Umwandlungssatzes kalkulieren.

Im Modell des entflochtenen Umwandlungssatzes würde folglich mit einer Gesamtrente von jährlich 5,9 bis 6,1% des Altersguthabens gestartet, jedoch mit der Chance auf spätere Rentenerhöhungen.

Im hergebrachten System hingegen ist die Rente fix. Gemäss dem Vorschlag des Bundesrats für die Altersreform 2020 würden Rentenzahlungen zum Umwandlungssatz von 6% berechnet. Auf diesem Niveau bliebe der Rentenbetrag stecken, selbst wenn Zinsen und Performance in späteren Jahren höher als heute ausfallen.

Mit dem vorgeschlagenen Systemwechsel würde die Starrheit der Rente aufgehoben. Pensionierte könnten anstelle einer dauerhaft niedrigen Rentenfestlegung – weil eben der Umwandlungssatz gemäss Vorschlag des Bundesrats gesenkt werden soll – bei Entflechtung der Rentenberechnung mit nachträglichen Verbesserungen rechnen.

Die Ungerechtigkeit, dass einzelne Rentnerjahrgänge wegen der aktuellen Tiefzinslage lebenslang leiden müssen, würde behoben. Bei der letzten Volksabstimmung zum BVG-Thema 2010 war von einem derartigen Ausgleich nicht die Rede. Das war wohl ein wichtiger Grund für die Ablehnung der Vorlage durch das Stimmvolk. Die Folgen für die einzelne Person waren zu wenig berücksichtigt.

Das Modell der Entflechtung des Umwandlungssatzes erlaubt eine spätere Anpassung der Renten. Das ist der entscheidende Vorteil. Aber im Reformpaket Altersvorsorge 2020 fehlt dieser Aspekt erneut vollständig. Damit lässt die Politik leider eine sinnvolle Verbesserung aus – zum Schaden aller Pensionsversicherten.

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