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Die Krux mit dem Gewinn

Transferwise hat das dritte Jahr in Folge einen Überschuss erzielt. Die meisten anderen Fintech-Start-ups sind davon weit entfernt.

Pascal Meisser, London

Fast alle Fintech-Jungunternehmen dieser Welt verfolgen das gleiche Ziel. Sie wollen möglichst schnell wachsen, um die Kundenzahl und die Reichweite ihrer Dienstleistungen möglichst schnell auszuweiten. Zu ihnen gehören beispielsweise die Challenger-Banken Revolut aus Grossbritannien und N26 aus Deutschland, die mittlerweile beide auch in der Schweiz um Kunden buhlen.

Sie beide verbrennen – wie viele andere Fintechs auch – Monat für Monat Millionen, die ihnen Wagniskapitalgeber zur Verfügung gestellt haben. Selbstverständlich lautet das Versprechen aller jungen aufstrebenden Unternehmen, dereinst Gewinn zu erzielen. «Die Kundenbasis monetarisieren», heisst der Zauberslogan. Ob das jedoch jemals geschehen wird, lässt sich anhand der öffentlich zugänglichen Daten meist nicht abschätzen.

Transferwise seit drei Jahren mit Gewinn

Einen komplett anderen Ansatz verfolgt die auf Auslandüberweisungen spezialisierte Transferwise. Das in London stationierte Jungunternehmen setzt zwar wie alle anderen Start-ups auf Wachstum, gleichzeitig ist es aber auch gewinnorientiert. Heute Mittwochmorgen teilte Transferwise mit, man habe das dritte Jahr in Folge einen Überschuss erzielt. In konkreten Zahlen heisst das: Der Umsatz wurde um die Hälfte auf 179 Mio. £ gesteigert, der Gewinn belief sich auf 10,3 Mio. £. Wie stark der Überschuss ausgeweitet wurde, lässt sich der Mitteilung nicht entnehmen.

CEO Kristo Käärmann hatte bereits im Interview mit FuW vor einem Monat gesagt, dass es den Gründern wichtig sei, profitabel zu arbeiten. «Das ist ein Beweis, dass unser Geschäftsmodell funktioniert», sagte Käärmann damals.  Heute fügt er an, dass aus seiner Sicht die Krux darin bestehe, ein solides Unternehmen aufzubauen, dem die Kunden langfristig vertrauten. «Unsere Geschäftszahlen belegen, dass wir diese Formel geknackt haben», so der CEO.

Transferwise ist nicht das einzige der sogenannten Einhörner (Jungunternehmen, die mit mehr als 1 Mrd. $ bewertet sind), das bereits die Gewinnzone erreicht hat. Der in der Schweiz weitgehend unbekannte Zahlungsdienstleister Klarna aus Schweden hat im Geschäftsjahr 2018 ebenfalls einen millionenhohen Überschuss erzielt, allerdings bei einer deutlich niedrigeren Gewinnmarge. Klarna verblieben rund 10 Mio. € (105 Mio. sKr.) als Gewinn, der Umsatz lag jedoch über 500 Mio. € (5,4 Mrd. sKr.).

Profitabel – und doch nicht

Ausserdem gibt es noch eine dritte Kategorie von Start-ups – diejenigen, die zwar einen Gewinn vorgaukeln, in Realität aber noch nicht aus der Verlustzone gekommen sind. Hierzu zählt beispielsweise das britisch-deutsche Start-up Sumup, wie im Juli das deutsche Portal Gruenderszene.de berichtet hatte.

Das Unternehmen bietet Kleinhändlern günstige Mini-Kreditkartenterminals für bargeldlose Zahlungen an, in der Schweiz ist UBS (UBSG 11.235 1.49%) Kooperationspartner. Im Interview sprach der CEO davon, seit zwei Jahren profitabel zu arbeiten. Journalisten deckten jedoch anhand von Dokumenten auf, dass entgegen den Aussagen 2018 ein Verlust angefallen ist.

Gesunde Vorsicht ist geboten

Was lässt sich daraus entnehmen? Nicht jedes Unternehmen, das noch immer Verlust verzeichnet, muss ein Geschäftsmodell haben, das nicht funktioniert. Es hat bloss den Beweis dafür noch nicht erbracht.

Gleichzeitig gilt es auch, Gesellschaften mit Vorsicht zu betrachten, die bereits profitabel sein wollen. Während etwa bei Transferwise und bei Klarna gesichert ist, dass sie Gewinn erzielen, ist Sumup eines der Gegenbeispiele. Im Gegensatz zu kotierten Unternehmen müssen solche privat gehaltenen Gesellschaften keine geprüften Zahlen publizieren – und können sie deshalb durchaus nach eigenem Gusto schönen.

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