Meinungen

Die lang ersehnte Abwertung

Le Pens klare Niederlage stärkt den Euro, schwächt den Franken und sorgt für Freude in der Nationalbank. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Andreas Neinhaus.

«Protestparteien in Europa am linken und rechten politischen Rand beginnen zu hinterfragen, ob es sich an der Wahlurne wirklich auszahlt, für den Euro-Exit einzutreten.»

Die Strategie der Nationalbank scheint endlich aufzugehen. Jede Woche wendet sie Milliarden auf, um den Franken vor einer Aufwertung zu schützen. Nun steigt der Euro erstmals seit langem, und der Franken schwächt sich ab. Am Dienstag mussten bereits 1.09 Fr. für 1 € bezahlt werden. Die befürchtete Parität rückt in die Ferne, und 1.10 Fr./€, das heimliche Zwischenziel der Währungshüter auf dem Weg zurück zum alten Mindestkurs von 1.20 Fr./€, sind plötzlich greifbar.

Die Erholungsrally nach dem Wahlsieg von Emmanuel Macron in Frankreich steckt dahinter. Aber vor allem ist es die klare Niederlage von Marine Le Pen vom Front National, die eine wie auch immer geartete Rückkehr zu einem nationalen Franc versprach. Die politischen Angriffe auf den Euro dürften künftig nachlassen. Protestparteien in Europa am linken und am rechten politischen Rand beginnen zu hinterfragen, ob es sich an der Wahlurne wirklich auszahlt, für den Euro-Exit einzutreten.

Rückt das währungspolitische Katastrophenszenario in Europa in die Ferne, können endlich die Kräfte wirken, auf die die Nationalbank setzt. Ihre stetige Kurspflege kommt einem «SNB-Put» gleich, der den Franken für rasche Engagements unattraktiv werden lässt. Andere Safe-Haven-Anlagen wie der Yen oder das Gold (Gold 1976.76 0.03%) werten sich auf, wenn die Börsenkurse fallen, und versprechen Anlegern dann Gewinn. Der Franken notiert in solchen Phasen zwar stabil, aber er wertet sich nicht auf. Das verhindert die SNB (SNBN 4970 2.9%).

Tatsächlich lösen ausländische Investoren Frankenengagements auf. Er hat an Attraktivität verloren, selbst als «sicherer Hafen». Der SNB kann diese Entwicklung nur recht sein. Vielleicht stellt sich der lang ersehnte Erfolg ihrer Abschwächungspolitik nun endlich ein.